Mittwoch, 9. September 2015

Yangshou: Gier und Touristen



Karen meine Host in Guangzhou hat mir von den wunderschönen Karstlandschaften in Yangshou erzählt. Wenn man einen chinesischen Kong Fu Film sieht wird irgendwann eine Szene kommen in welcher der Held in einem Bambuswald mit leichtem Nebel sein wird. Hinter ihm schießen riesige Felsen praktisch senkrecht in die Höhe und haben Ähnlichkeit zu riesigen Drachenzähnen und vor ihm schlängelt sich ein langsam fließender, breiter Fluss auf dem vereinzelt Bambusboote schwimmen. Diese Szenen werden in Yangshou gedreht und die Landschaft sieht tatsächlich so aus. Da ich den Großteil meiner Reise in Megacitys verbracht hatte, beschloss ich zwei Tage nach Yangshou zu fahren und dort mit dem Fahrrad durch die Wälder und Felsenlandschaft zu flanieren. Klang nach einer tollen Idee ist bloß leider ziemlich nach hinten losgegangen.

Es begann mit den Couch Surfern in Yangshou. Es gibt insgesamt drei und eine hatte ihr Profil seit Jahren nicht mehr benutzt, der andere war über das Wochenende Weg und der letzte antwortete mir nicht. Also habe ich im Internet ein Hostel für umgerechnet 2€ de Nacht gebucht. Mit der Reservierung in der Tasche bin ich dann zum Busbahnhof. Mit mir sind noch eine Familie und ein junger Mann nach Yangshou gefahren. Nach knapp drei Stunden Fahrt gab es eine kurze Pause an einer sehr ekligen Raststätte und nach weiteren drei Stunden waren wir dann da. Glaubte ich im ersten Moment. Allerdings konnte ich keine Bushaltestelle ausfindig machen sondern wir waren einfach mitten auf einer Straße. Es stellte sich heraus, dass der Busfahrer einfach keine Lust hatte nach Yangshou reinzufahren und uns deswegen hier abgesetzt hat. Knapp 25 km vor der Stadt. Anscheinend passiert das häufiger denn es standen schon eine Schaar aus Minibussen bereit die sich auf uns gestürzt haben. Mit meinen nicht vorhandenen chinesisch Kenntnissen bin ich einfach schnell in den Bus eingestiegen den die Familie genommen hat. Dieser hat uns dann aber auch nicht in das Zentrum von Yangshou gebracht sondern an den Stadtrand. Ohne Karte habe cih dann angefangen umher zu irren und mein Hostel gesucht. Als dann irgendwann mein Koffer sehr schwer wurde und ich sehr müde bin ich in das nächst beste Hotel habe dort die Dame an der Rezeption auf Englisch zu gequatscht, während sie mir andauernd zu verstehen gegeben hat, dass sie kein Englisch spricht. Irgendwann bekam ich sie dazu mein Hostel anzurufen und die Dame am Telefon konnte dann zum Glück englisch. Mit viel hin und her haben wir es dann zu dritt hinbekommen, dass mich eine Art Motorradtaxi zu meinem Hostel bringt. Aber als dieser dann meinen Koffer gesehen hat wollte er gleich den doppelten Preis. Komplett entnervt und übermüdet habe ich dann einfach ja gesagt,w eil ich eigentlich nur ins Bett wollte.

Das Hostel in dem ich war, war allerdings dafür um so schöner. Ein knapp sieben Stockwerke hohes Gebäude mit Dachgarten, Waschmaschinen, netten Angestellten und sehr sauberen Zimmern und Bädern. Mir wurde gleich erzählt wo ich mein Fahrrad mieten könnte ohne ein Pfand zu hinterlassen und mir wurden Karten in die Hand gedrückt und die schönste Route empfohlen. Beschwichtigt bin ich in mein Bett gefallen und am nächsten Tag vom Geräusch von prasselnden Regen geweckt worden. In der Hoffnung, dass das Wetter besser wird habe ich zuerst die Stadt erkundet. Yangshou als Stadt hat außer Hotels und seiner Landschaft nicht viel zu bieten. Es gibt eine Einkaufsmeile die so voller Menschen ist, dass man kaum atmen kann. Die Läden sind eine endlose Wiederholung von überteuerten Restaurants die zu 80% auf westlich machen und Tourishops mit Postkarten und Kitsch. Dazu kommen überall Tourigeier. Sehr sauer wurde ich als ich bei einer nett aussehenden Gemüsehändlerin Bananen und Äpfel als Proviant kaufen wollte. Die Frau wollte mir für zwei Bananen umgerechnet drei Euro abknöpfen. Zwei kleine unreife Dinger für drei Euro. Man konnte ihr zusehen, wie beim Anblick meiner blonden Haare die Augen die Form von Dollarsymbolen annahmen. Leider ging es gerade so weiter. Praktisch alles wurde sofort teurer wenn ich in die Nähe kam und es gab keinen Verkäufer und keine Verkäuferin die mich nicht angequatscht hat. Dazu kam, dass mir das Geld ausging. Ich hatte zwar noch relativ viel auf meinem Konto wollte aber nicht erneut Geld abheben und die Kosten für meine Reise, die im Nachhinein eigentlich verhältnismäßig gering waren, in die Höhe treiben. So habe ich mich dieses Wochenende von Crackern mit Algengeschmack und kleinen frittierten Wickeln in süßer Sesampaste ernährt. Nicht wirklich ein Stimmungsheber. Dazu kam dann, dass der Regen immer schlimmer wurde und an Fahrrad fahren nicht zu denken war. Vor allem nicht in Bambuswäldern.

So bin ich dann einfach durch die Landschaft spaziert und habe Fotos gemacht. Da gab es leider drei Probleme. Erstens sind die Entfernungen einfach sehr viel größer als bei uns, was heißt ohne Fahrrad ist das wirklich nicht zu machen. Dann zweitens gibt es keinerlei Beschilderung auf Englisch sobald man Yangshou verlässt. Kein Problem, wenn man weiß wo man ist aber ich war irgendwann etwas verloren und leider habe ich gute zwei Stunden damit verbracht in die falsche Richtung zu gehen bis ich jemanden begegnet bin den ich nach dem Weg fragen konnte (damit ist nicht gemeint jemand der englisch gesprochen hat sondern generell irgendjemand). Das dritte Problem war, dass es eine touristische Gegend ist und man für alles, was auch nur im Entferntesten hübsch oder interessant ist sofort Eintritt zahlen muss. Sich vorbeischleichen geht übrigens nicht, da alles mit Zäunen und Sicherheitspersonal abgesichert ist.

Das Alles führte zu viel Frust. Viel anstrengender war aber die Einstellung, dass nur weil ich blond bin bzw. westlich ich Geld habe und es so viele Menschen gab die mich von der Last des Geldes befreien wollten. Ich bin von Natur aus jemand der gerne Leuten vertraut aber gerad ein Yangshou bin ich damit nicht sehr weit gekommen. Die Chinesen können extrem freundlich und vor allem gastfreundlich sein aber es gibt einige Dinge die empfinde ich als extrem störend. Beide habe ich zwar schon einmal angesprochen möchte sie aber nochmals ansprechen. Das eine ist die Beziehung zum Geld. In China ist Reichtum bzw. Vermögen eine regelrechte Tugend und viele Menschen tun alles um an Geld zu kommen, vor allem westlich Touristen ausnehmen. Aber mit Geld besitzen ist es nicht getan sondern es muss auch gezeigt werden. Mit Vorliebe durch Shoppingmarathone, wobei mit Vorliebe gekauft wird was Rang und Namen hat. Das führt dazu, dass überall riesige Shoppingmalls hochschießen welche sich großer Beliebtheit bei jungen Chinesen erfreuen. Das zweite was mich sehr stört ist, dass teilweise keinerlei Rücksicht genommen wird. In der U-Bahn wird gedrängelt was das Zeug hält Hauptsache man selbst hat einen Sitzplatz. Wenn man wandern geht und man hat ein Vesper mit gebracht wird der Müll dort liegen gelassen wo er anfällt auch wenn fünf Meter weiter ein Mülleimer steht. Ich empfand das immer als sehr anstrengend und nach knapp einen Monat hat es mich einfach unglaublich genervt.

Diese Dinge sind mir bei meinem verregneten Aufenthalt in Yangshou besonders klar geworden. Nach zwei ein halb Tagen, Algencrackern, gierigen Gemüsefrauen und Regen habe ich dann den Bus nach Guilin und von dort den Zug nach Hangzhou genommen. Dumm nur, dass mir das Geld ausging und ich mir nur einen Stehplatz für den gestopft vollen Zug leisten konnte und noch dümmer, dass ich mit meinem riesigen Koffer keine drei Meter weit kam weil es so voll war und ich deswegen im Raucherabteil feststeckte. So habe ich 18h in dichten Zigarettenqualm zugebracht. Ungefähr jede Stunde musste ich von meiner unbequemen halb sitzenden Position auf meinem Koffer aufstehen weil der Zug hielt und Leute ein und ausstiegen und es war kalt. Kurzum die furchtbarste Zugfahrt meines Lebens!

Aber dann kam ich in Hangzhou an und die Welt war wieder in Ordnung.

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