Karen meine Host in Guangzhou hat mir von den wunderschönen
Karstlandschaften in Yangshou erzählt. Wenn man einen chinesischen Kong Fu Film
sieht wird irgendwann eine Szene kommen in welcher der Held in einem Bambuswald
mit leichtem Nebel sein wird. Hinter ihm schießen riesige Felsen praktisch
senkrecht in die Höhe und haben Ähnlichkeit zu riesigen Drachenzähnen und vor
ihm schlängelt sich ein langsam fließender, breiter Fluss auf dem vereinzelt
Bambusboote schwimmen. Diese Szenen werden in Yangshou gedreht und die
Landschaft sieht tatsächlich so aus. Da ich den Großteil meiner Reise in
Megacitys verbracht hatte, beschloss ich zwei Tage nach Yangshou zu fahren und
dort mit dem Fahrrad durch die Wälder und Felsenlandschaft zu flanieren. Klang
nach einer tollen Idee ist bloß leider ziemlich nach hinten losgegangen.
Es begann mit den Couch Surfern in Yangshou. Es gibt insgesamt
drei und eine hatte ihr Profil seit Jahren nicht mehr benutzt, der andere war
über das Wochenende Weg und der letzte antwortete mir nicht. Also habe ich im
Internet ein Hostel für umgerechnet 2€ de Nacht gebucht. Mit der Reservierung
in der Tasche bin ich dann zum Busbahnhof. Mit mir sind noch eine Familie und
ein junger Mann nach Yangshou gefahren. Nach knapp drei Stunden Fahrt gab es
eine kurze Pause an einer sehr ekligen Raststätte und nach weiteren drei Stunden
waren wir dann da. Glaubte ich im ersten Moment. Allerdings konnte ich keine
Bushaltestelle ausfindig machen sondern wir waren einfach mitten auf einer
Straße. Es stellte sich heraus, dass der Busfahrer einfach keine Lust hatte
nach Yangshou reinzufahren und uns deswegen hier abgesetzt hat. Knapp 25 km vor
der Stadt. Anscheinend passiert das häufiger denn es standen schon eine Schaar
aus Minibussen bereit die sich auf uns gestürzt haben. Mit meinen nicht vorhandenen
chinesisch Kenntnissen bin ich einfach schnell in den Bus eingestiegen den die Familie
genommen hat. Dieser hat uns dann aber auch nicht in das Zentrum von Yangshou
gebracht sondern an den Stadtrand. Ohne Karte habe cih dann angefangen umher zu
irren und mein Hostel gesucht. Als dann irgendwann mein Koffer sehr schwer
wurde und ich sehr müde bin ich in das nächst beste Hotel habe dort die Dame an
der Rezeption auf Englisch zu gequatscht, während sie mir andauernd zu
verstehen gegeben hat, dass sie kein Englisch spricht. Irgendwann bekam ich sie
dazu mein Hostel anzurufen und die Dame am Telefon konnte dann zum Glück
englisch. Mit viel hin und her haben wir es dann zu dritt hinbekommen, dass
mich eine Art Motorradtaxi zu meinem Hostel bringt. Aber als dieser dann meinen
Koffer gesehen hat wollte er gleich den doppelten Preis. Komplett entnervt und
übermüdet habe ich dann einfach ja gesagt,w eil ich eigentlich nur ins Bett
wollte.
Das Hostel in dem ich war, war allerdings dafür um so
schöner. Ein knapp sieben Stockwerke hohes Gebäude mit Dachgarten,
Waschmaschinen, netten Angestellten und sehr sauberen Zimmern und Bädern. Mir
wurde gleich erzählt wo ich mein Fahrrad mieten könnte ohne ein Pfand zu
hinterlassen und mir wurden Karten in die Hand gedrückt und die schönste Route
empfohlen. Beschwichtigt bin ich in mein Bett gefallen und am nächsten Tag vom
Geräusch von prasselnden Regen geweckt worden. In der Hoffnung, dass das Wetter
besser wird habe ich zuerst die Stadt erkundet. Yangshou als Stadt hat außer
Hotels und seiner Landschaft nicht viel zu bieten. Es gibt eine Einkaufsmeile
die so voller Menschen ist, dass man kaum atmen kann. Die Läden sind eine
endlose Wiederholung von überteuerten Restaurants die zu 80% auf westlich machen
und Tourishops mit Postkarten und Kitsch. Dazu kommen überall Tourigeier. Sehr
sauer wurde ich als ich bei einer nett aussehenden Gemüsehändlerin Bananen und
Äpfel als Proviant kaufen wollte. Die Frau wollte mir für zwei Bananen umgerechnet
drei Euro abknöpfen. Zwei kleine unreife Dinger für drei Euro. Man konnte ihr
zusehen, wie beim Anblick meiner blonden Haare die Augen die Form von Dollarsymbolen
annahmen. Leider ging es gerade so weiter. Praktisch alles wurde sofort teurer
wenn ich in die Nähe kam und es gab keinen Verkäufer und keine Verkäuferin die
mich nicht angequatscht hat. Dazu kam, dass mir das Geld ausging. Ich hatte
zwar noch relativ viel auf meinem Konto wollte aber nicht erneut Geld abheben
und die Kosten für meine Reise, die im Nachhinein eigentlich verhältnismäßig
gering waren, in die Höhe treiben. So habe ich mich dieses Wochenende von
Crackern mit Algengeschmack und kleinen frittierten Wickeln in süßer Sesampaste
ernährt. Nicht wirklich ein Stimmungsheber. Dazu kam dann, dass der Regen immer
schlimmer wurde und an Fahrrad fahren nicht zu denken war. Vor allem nicht in
Bambuswäldern.
So bin ich dann einfach durch die Landschaft spaziert und
habe Fotos gemacht. Da gab es leider drei Probleme. Erstens sind die
Entfernungen einfach sehr viel größer als bei uns, was heißt ohne Fahrrad ist
das wirklich nicht zu machen. Dann zweitens gibt es keinerlei Beschilderung auf
Englisch sobald man Yangshou verlässt. Kein Problem, wenn man weiß wo man ist aber
ich war irgendwann etwas verloren und leider habe ich gute zwei Stunden damit
verbracht in die falsche Richtung zu gehen bis ich jemanden begegnet bin den ich
nach dem Weg fragen konnte (damit ist nicht gemeint jemand der englisch
gesprochen hat sondern generell irgendjemand). Das dritte Problem war, dass es
eine touristische Gegend ist und man für alles, was auch nur im Entferntesten
hübsch oder interessant ist sofort Eintritt zahlen muss. Sich vorbeischleichen
geht übrigens nicht, da alles mit Zäunen und Sicherheitspersonal abgesichert
ist.
Das Alles führte zu viel Frust. Viel anstrengender war aber
die Einstellung, dass nur weil ich blond bin bzw. westlich ich Geld habe und es
so viele Menschen gab die mich von der Last des Geldes befreien wollten. Ich
bin von Natur aus jemand der gerne Leuten vertraut aber gerad ein Yangshou bin ich
damit nicht sehr weit gekommen. Die Chinesen können extrem freundlich und vor
allem gastfreundlich sein aber es gibt einige Dinge die empfinde ich als extrem
störend. Beide habe ich zwar schon einmal angesprochen möchte sie aber nochmals
ansprechen. Das eine ist die Beziehung zum Geld. In China ist Reichtum bzw.
Vermögen eine regelrechte Tugend und viele Menschen tun alles um an Geld zu
kommen, vor allem westlich Touristen ausnehmen. Aber mit Geld besitzen ist es
nicht getan sondern es muss auch gezeigt werden. Mit Vorliebe durch Shoppingmarathone,
wobei mit Vorliebe gekauft wird was Rang und Namen hat. Das führt dazu, dass
überall riesige Shoppingmalls hochschießen welche sich großer Beliebtheit bei
jungen Chinesen erfreuen. Das zweite was mich sehr stört ist, dass teilweise
keinerlei Rücksicht genommen wird. In der U-Bahn wird gedrängelt was das Zeug
hält Hauptsache man selbst hat einen Sitzplatz. Wenn man wandern geht und man
hat ein Vesper mit gebracht wird der Müll dort liegen gelassen wo er anfällt
auch wenn fünf Meter weiter ein Mülleimer steht. Ich empfand das immer als sehr
anstrengend und nach knapp einen Monat hat es mich einfach unglaublich genervt.
Diese Dinge sind mir bei meinem verregneten Aufenthalt in
Yangshou besonders klar geworden. Nach zwei ein halb Tagen, Algencrackern,
gierigen Gemüsefrauen und Regen habe ich dann den Bus nach Guilin und von dort
den Zug nach Hangzhou genommen. Dumm nur, dass mir das Geld ausging und ich mir
nur einen Stehplatz für den gestopft vollen Zug leisten konnte und noch dümmer,
dass ich mit meinem riesigen Koffer keine drei Meter weit kam weil es so voll
war und ich deswegen im Raucherabteil feststeckte. So habe ich 18h in dichten
Zigarettenqualm zugebracht. Ungefähr jede Stunde musste ich von meiner
unbequemen halb sitzenden Position auf meinem Koffer aufstehen weil der Zug
hielt und Leute ein und ausstiegen und es war kalt. Kurzum die furchtbarste
Zugfahrt meines Lebens!
Aber dann kam ich in Hangzhou an und die Welt war wieder in
Ordnung.
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