Die letzten beiden Tage standen unter einem nicht ganz so
guten Stern. Meine Erkältung hat mir ziemlich zugesetzt. Vorgestern bin ich
morgens mit pochenden Nebenhöhlen aufgewacht und bin dementsprechend den ganzen
Tag wie ein Zombie durch die Gegend gelaufen. Dementsprechend war ich auch nicht
so traurig darüber, dass ich dann den ganzen Tag nur das Graphen im Muffelofen
ausgeheizt habe, vor allem da es in der Nähe des 600°C heißem Muffelofen ganz
angenehm war. Gestern waren zwar die Nebenhöhlen wieder frei aber dafür war ein
Ohr total verstopft und ich habe nicht so wunderbar gehört. Das hat auch wiederum
gepasst, weil ich mit einer Art kleinem Mixer das ausgeheizte Graphen zu feinem
Staub verarbeitet habe und der kleine Mixer hat ordentlich Power und auch eine
gute Lautstärke drauf.
An dem Punkt möchte ich kurz auf Labore in China zurück
kommen. Zwei meiner Highlights waren, als mir Orange gesagt hat, dass ich den
Muffelofen nicht unbeaufsichtigt lassen soll, weil er made in China ist und sie
dem Gerät nicht vertraut und mein absoluter Höhepunkt war als ich neben mir
eine kleine halbverschlossene Flasche mit der Aufschrift 1,4-Dioxan sah.
1,4-Dioxan ist sehr krebserregend und eine jener Chemikalien die man lieber nicht
einatmet und auch nicht so gern offen rumstehen lässt, weil das Zeug ziemlich
niedrig siedet und dementsprechend langsam vor sich hin verdampft. In unserem
Labor wurde es immer in einem brandsicheren Schrank aufbewahrt, fest
verschlossen mit Septum und allem. Naja und hier steht es halb offen rum und verdampft
munter vor sich hin. Naja. Ich habe dann einfach einen Deckel gesucht und es
zugemacht und in die Ecke gestellt.
Auch wenn die Sicherheitsvorschriften meiner Meinung nach
etwas sehr locker sind ist das arbeiten hier in Chengdu eigentlich sehr
angenehm. Morgens wenn ich ins Büro komme habe ich erst einmal Zeit für mich,
die ich meistens mit Papers lesen verbringe oder mich auf die Suche nach Unis
für den Master mache. Nachmittags dann stehe ich im Labor und helfe mit was
auch immer mir gezeigt wurde und nach dem Abendessen komme ich nochmal für eine
halbe oder ganze Stunde ins Büro und gehe dann nach Hause. Auch die Arbeit an
sich ist sehr entspannt. In Deutschland ist man immer unter Druck produktiv zu
sein oder wenn es nichts zu tun gibt zumindest beschäftigt auszusehen. In China
ist das nicht so wichtig. Viele Doktoranden in meinem Büro spielen Computerspiele,
schauen Videos im Internet oder schreiben mit Freunden, wenn es gerade nichts
zu tun gibt. Gleichzeitig bleiben sie aber auch bis Mitternacht um dann das
Paper fertig zu schreiben oder die Experimente durch zu kriegen. Die Beziehung
zur Arbeit ist deutlich entspannter, was auch zu einer ganz entspannten Arbeitsatmosphäre
beiträgt. Dafür hat man deutlich weniger Freizeit.
So ich kehre mal zu meinen Papers zurück. Bis dann,
Zeno
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