Freitag, 4. September 2015

Willkommen in Chengdu



Gestern Morgen klingelte trotz Feiertag der Wecker um acht Uhr. Aufgestanden bin ich dann gegen halb neun. Nach einem schnellen Frühstück haben mich dann ein paar Leute aus dem Arbeitskreis meines Professors empfangen um mir die Stadt zu zeigen. Erst habe ich gedacht, dass die Chinesen vielleicht alle Frühaufsteher sind und sie deswegen schon um neun los wollten aber im Laufe des Tages habe ich verstanden, dass sie das gemacht haben um nicht in den Strom aus Billionen Touristen zu gelangen die die Stadt nachmittags an einem Feiertag fluten.

Als erstes haben sie mir den Wuhou Tempel gezeigt. Dieser ist dem kaiserlichen Berater Zhuge Liang gewidmet der sich während der Zeit der drei Königreiche am Hofe des Kaisers Liu Bei praktisch unsterblich gemacht hat in dem er einen Epos schrieb und dazu auch noch große militärische Siege einbrachte. Es war wirklich spannend dort mit den vieren zu sein, weil sie mir viel über die verschiedenen Figuren und Kaligraphien erzählen konnten. Während meiner Tempeltour haben sie mir dann auch erklärt welche Blume ich immer gerochen habe. Das war Osmanthus und zwar genau der Osmanthus den man auch in Jasmintee reintut. Eine ganz unscheinbare kleine gelblich grüne Blüte an einem kleinen etwas verknöcherten Baum. Aber der Duft ist betörend. Als ich dann rundum informiert war über Liu Bei und die Kaligraphien die im Tempel ausgestellt waren sind wir in Richtung Snackstreet aufgebrochen.

Diese hat eigentlich einen anderen Namen den ich mir aber nicht merken konnte und auf die Schnelle nicht in meinem monströsen Chinareiseführer finde. Bevor wir in der Snackstreet angekommen sind kamen wir durch die Souvenirmeile. Ausnahmsweise keine Ansammlung von kitschigem Plunder sonder tatsächlich ganz nette Sachen. Besonders angesagt sind kleine Haarspangen auf die Plastikpflanzen geklebt sind. Ich habe mir eine Chili gekauft und die Mädchen haben voll zugeschlagen und sich einen ganzen Garten auf den Kopf gepflanzt. Direkt gegenüber gab es kleine Säckchen aus Stoff die man kaufen konnte und aufhängen sollte. Diese sollen Glück bringen beziehungsweise die Wünsche erfüllen die man auf einen Zettel schreibt und in sie hineinlegt. Ich habe mir einen hübschen Türkisenen gekauft der für „academic luck“ steht. Das kann ja niemals schaden. Ausgestattet mit Glücksbringer und Chilihaarspange sind wir dann in die Snackstreet und haben dort mal so richtig zu geschlagen. Zuerst gab es Spieße mit diversen Innereien und Lotusblüten in grüner und roter Chilisoße, sehr zu empfehlen. Danach gab es so kleine Knödel aus Reismehl in einer süßen Erdnuss- und schwarzen Sesamsoße und zum Schluss dann eine Suppe mit Nudeln die vermutlich aus Buchweizen waren, zumindest hatten sie einen sehr charakteristisch herben Geschmack.

Mit gefüllten Mägen sind wir dann zu guter Letzt in die Shopping Meile („one oft he top ten shopping streets in China“). Typisch chinesisch angefüllt mit Shoppingmalls, kleinen Läden vor denen Frauen standen und sich die Seele aus dem Laib brüllten und natürlich lauter jungen Chinesen im Kaufrausch. Wir bummelten gemütlich entlang und kamen irgendwann bei einem der berühmtesten Dumplingrestaurants in ganz Chengdu raus in das wir natürlich sofort gegangen sind. Besonders lustig fand ich dort die Methode einen Tisch zu bekommen. Zuerst kauft man sich den Coupon mit dem man nachher bestellen wird und dann sucht man sich einen Tisch aus an dem Leute sitzen, mit Vorliebe solche die schon fast fertig mit essen sind, stellt sich neben die und schaut sie passiv aggressiv an bis sie fertig sind und den Platz räumen. Dann muss man den Platz schnell erstürmen und verteidigen bis alle anderen am Tisch sitzen und geht dann mit dem Coupon das eigentliche Essen bestellen. Dieses bestand aus Nudeln in Chiliöl, zwei Sorten Dumplings, einmal nach nordchinesischer Art und einmal nach südchinesischer Art, kleinen Reisknödeln mit Fleischfüllung und großen frittierten Teigtaschen mit Rindfüllung. Alles Samt sehr köstlich.

Auf dem Heimweg wurde mir dann noch eine Art Brot mit Fleischfüllung in die Hand gedrückt, weil das eine Chengduspezialität sei und ich die unbedingt probieren müsse. Gegen Mittag war ich dann wieder in meinem Hotelzimmer und schwor mir nie wieder auch nur einen Bissen zu essen.

Gegen Nachmittag habe ich dann einen kleinen Spaziergang an den Park in der Mitte des Campus gemacht und mich dort hingesetzt und etwas gelesen. Nach vielleicht einer Stunde kam eine junge Frau auf mich zu und meinte, dass ich so hübsch sei und ob sie sich zu mir setzten könnte. Etwas verdattert habe ich natürlich ja gesagt und bin sie dann leider nicht mehr so schnell los geworden. Eines muss man er Guten lassen, sie hat sehr viel Ausdauer gehabt. Sie hat permanent irgendwelche Vorschläge gemacht wo wir beide doch jetzt unbedingt hingehen sollen und wenn möglich sofort und irgendwie hat sie nicht so ganz verstanden, dass ich nicht so wirklich Interesse hatte oder sie hat es geflissentlich ignoriert.

Am Ende habe ich einen Anruf vorgetäuscht und so getan als müsste ich jetzt ganz dringend ins Labor, an einem Feiertag an dem die Uni zu hat. Aber selbst davon hat sie sich nicht abschrecken lassen und mich dann hinterher mit Nachrichten bombardiert.

Naja Chinesen sind halt etwas eigen. So ich gehe jetzt raus in en strömenden Regen und erkunde Chengdu. Bis später,

Zeno

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