Gestern Morgen klingelte trotz Feiertag der Wecker um acht Uhr.
Aufgestanden bin ich dann gegen halb neun. Nach einem schnellen Frühstück haben
mich dann ein paar Leute aus dem Arbeitskreis meines Professors empfangen um
mir die Stadt zu zeigen. Erst habe ich gedacht, dass die Chinesen vielleicht
alle Frühaufsteher sind und sie deswegen schon um neun los wollten aber im
Laufe des Tages habe ich verstanden, dass sie das gemacht haben um nicht in den
Strom aus Billionen Touristen zu gelangen die die Stadt nachmittags an einem
Feiertag fluten.
Als erstes haben sie mir den Wuhou Tempel gezeigt. Dieser
ist dem kaiserlichen Berater Zhuge Liang gewidmet der sich während der Zeit der
drei Königreiche am Hofe des Kaisers Liu Bei praktisch unsterblich gemacht hat
in dem er einen Epos schrieb und dazu auch noch große militärische Siege einbrachte.
Es war wirklich spannend dort mit den vieren zu sein, weil sie mir viel über
die verschiedenen Figuren und Kaligraphien erzählen konnten. Während meiner
Tempeltour haben sie mir dann auch erklärt welche Blume ich immer gerochen
habe. Das war Osmanthus und zwar genau der Osmanthus den man auch in Jasmintee
reintut. Eine ganz unscheinbare kleine gelblich grüne Blüte an einem kleinen
etwas verknöcherten Baum. Aber der Duft ist betörend. Als ich dann rundum
informiert war über Liu Bei und die Kaligraphien die im Tempel ausgestellt
waren sind wir in Richtung Snackstreet aufgebrochen.
Diese hat eigentlich einen anderen Namen den ich mir aber nicht
merken konnte und auf die Schnelle nicht in meinem monströsen Chinareiseführer
finde. Bevor wir in der Snackstreet angekommen sind kamen wir durch die
Souvenirmeile. Ausnahmsweise keine Ansammlung von kitschigem Plunder sonder
tatsächlich ganz nette Sachen. Besonders angesagt sind kleine Haarspangen auf
die Plastikpflanzen geklebt sind. Ich habe mir eine Chili gekauft und die
Mädchen haben voll zugeschlagen und sich einen ganzen Garten auf den Kopf
gepflanzt. Direkt gegenüber gab es kleine Säckchen aus Stoff die man kaufen
konnte und aufhängen sollte. Diese sollen Glück bringen beziehungsweise die
Wünsche erfüllen die man auf einen Zettel schreibt und in sie hineinlegt. Ich
habe mir einen hübschen Türkisenen gekauft der für „academic luck“ steht. Das
kann ja niemals schaden. Ausgestattet mit Glücksbringer und Chilihaarspange
sind wir dann in die Snackstreet und haben dort mal so richtig zu geschlagen.
Zuerst gab es Spieße mit diversen Innereien und Lotusblüten in grüner und roter
Chilisoße, sehr zu empfehlen. Danach gab es so kleine Knödel aus Reismehl in
einer süßen Erdnuss- und schwarzen Sesamsoße und zum Schluss dann eine Suppe
mit Nudeln die vermutlich aus Buchweizen waren, zumindest hatten sie einen sehr
charakteristisch herben Geschmack.
Mit gefüllten Mägen sind wir dann zu guter Letzt in die
Shopping Meile („one oft he top ten shopping streets in China“). Typisch
chinesisch angefüllt mit Shoppingmalls, kleinen Läden vor denen Frauen standen
und sich die Seele aus dem Laib brüllten und natürlich lauter jungen Chinesen
im Kaufrausch. Wir bummelten gemütlich entlang und kamen irgendwann bei einem
der berühmtesten Dumplingrestaurants in ganz Chengdu raus in das wir natürlich
sofort gegangen sind. Besonders lustig fand ich dort die Methode einen Tisch zu
bekommen. Zuerst kauft man sich den Coupon mit dem man nachher bestellen wird
und dann sucht man sich einen Tisch aus an dem Leute sitzen, mit Vorliebe
solche die schon fast fertig mit essen sind, stellt sich neben die und schaut
sie passiv aggressiv an bis sie fertig sind und den Platz räumen. Dann muss man
den Platz schnell erstürmen und verteidigen bis alle anderen am Tisch sitzen
und geht dann mit dem Coupon das eigentliche Essen bestellen. Dieses bestand
aus Nudeln in Chiliöl, zwei Sorten Dumplings, einmal nach nordchinesischer Art und
einmal nach südchinesischer Art, kleinen Reisknödeln mit Fleischfüllung und
großen frittierten Teigtaschen mit Rindfüllung. Alles Samt sehr köstlich.
Auf dem Heimweg wurde mir dann noch eine Art Brot mit
Fleischfüllung in die Hand gedrückt, weil das eine Chengduspezialität sei und ich
die unbedingt probieren müsse. Gegen Mittag war ich dann wieder in meinem
Hotelzimmer und schwor mir nie wieder auch nur einen Bissen zu essen.
Gegen Nachmittag habe ich dann einen kleinen Spaziergang an
den Park in der Mitte des Campus gemacht und mich dort hingesetzt und etwas
gelesen. Nach vielleicht einer Stunde kam eine junge Frau auf mich zu und
meinte, dass ich so hübsch sei und ob sie sich zu mir setzten könnte. Etwas
verdattert habe ich natürlich ja gesagt und bin sie dann leider nicht mehr so
schnell los geworden. Eines muss man er Guten lassen, sie hat sehr viel
Ausdauer gehabt. Sie hat permanent irgendwelche Vorschläge gemacht wo wir beide
doch jetzt unbedingt hingehen sollen und wenn möglich sofort und irgendwie hat
sie nicht so ganz verstanden, dass ich nicht so wirklich Interesse hatte oder
sie hat es geflissentlich ignoriert.
Am Ende habe ich einen Anruf vorgetäuscht und so getan als
müsste ich jetzt ganz dringend ins Labor, an einem Feiertag an dem die Uni zu
hat. Aber selbst davon hat sie sich nicht abschrecken lassen und mich dann
hinterher mit Nachrichten bombardiert.
Naja Chinesen sind halt etwas eigen. So ich gehe jetzt raus
in en strömenden Regen und erkunde Chengdu. Bis später,
Zeno
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