Samstag, 26. September 2015

This is the Life



Die letzten Tage waren sehr ereignisreich. Nicht im Labor aber dafür außerhalb. Als erstes war ich am Mittwoch Swing tanzen. Nachdem ich der festen Überzeugung war, dass es Chengdu keine Tango Szene gibt habe ich beschlossen Swing eine Chance zu geben, da dieser hier sehr beliebt ist. Also bin ich mittwochs in eine Bar nicht weit vom Campus gegangen in der eine kurze Einführung war und anschließend getanzt wurde. Es war sehr angenehm. Die Chinesen waren alle sehr locker drauf, es waren ein paar Ausländer da und die Bar war sehr stimmungsvoll. Das einzige was etwas blöd war, war meine mangelnde Swing-Kenntnis. Am nächsten Tag war morgens in Vortrag von einem Mann der bei der BASF in der Forschung tätig ist. Da ich im Büro eh nur am lesen war, bin ich hingegangen. Der Vortrag ging vor allem um die Gebiete in denen die BASF gerade forscht (also im Hinblick auf Polymerwissenschaften) und welche neue Produkte sie entwickelt haben. Nach dem Vortrag bin ich dann zu dem guten Mann gegangen und habe ihn mal gefragt, ob die BASF auch Praktikanten nimmt die noch in ihrem Bachelor sind. Er meinte wir sollen mal darüber reden, wenn ich wieder in Deutschland bin und hat mir seine Karte gegeben. Da bin ich mal gespannt.
Abends bin ich dann mit einigen Studenten aus der Gruppe zu einer Veranstaltung über einen Auslandsaufenthalt in Deutschland gegangen. Diese wurde von einer jungen Frau veranstaltet die acht Jahre lang in Deutschland gelebt und studiert hat. Wir haben uns ein wenig auf Deutsch unterhalten und danach habe ich dann auf meinem Handy Artikel gelesen, weil die Veranstaltung selber auf Chinesisch war. Freitags dann war ich an der Reihe eine kleine Präsentation zu geben. Es war das erste Treffen von der Arbeitsgruppe um Professor Fu und ich sollte etwas über mich, mein Program, meine Uni und Freiburg erzählen. Das habe ich ganz gewissenhaft gemacht und die Anwesenden waren ganz begeistert über die Bilder von Freiburg auch wenn ich glaube, dass die meisten mir nicht ganz folgen konnten, da ihr Englisch bzw. ihr gesprochenes Englisch eher gebrochen ist. Nach dem Treffen dann ist der ganze AK zum Hot Pot Dinner aufgebrochen. Knapp 50 Leute sind in das Restaurant gestürmt und dann wurde gegessen und getrunken. Der Hot Pot war wie üblich reichlich. Diverse Innereien, Fleisch von allen Tieren die essbar sind, Fisch und Dumplings, Gemüse und Seetang, Hackfleischbällchen und ab und zu werden kleine süße Snacks zwischendurch gereicht. Dazu gab es einmal frisch gepressten Wassermelonensaft und sehr schwaches Bier. Das habe sogar ich getrunken, da es weniger nach Bier als vielmehr nach Wasser mit Bieraroma geschmeckt hat. Ich fand es sehr schön, dass der ganze AK zusammenkam und Professor Fu und die anderen Professoren haben sich sichtlich bemüht, dass es allen gut geht bzw. alle eine schöne Zeit haben.
Gegen neun sind dann alle aufgebrochen und ich bin noch zum English Corner und habe dort mit dem Master Studenten gequatscht der das SEM betreut. Während wir uns unterhalten haben hat mich dann die junge Chinesin ausfindig gemacht die mich am Lotusbrunnen vor knapp drei Wochen angequatscht hat. Die bin ich dann auch den Rest des Abends nicht mehr los geworden. War aber trotzdem schön.
Am Freitag habe ich auch noch eine Mail bekommen von einer Tango Lehrerin in Chengdu die mir die Adresse von einer Milonga in Chengdu geschickt hat. Also bin ich am Samstag dann freudig durch die Stadt geeilt um endlich wieder Tango zu tanzen. Die Milonga war in einer Tanzschule bzw. in dem Ballsaal der Tanzschule. Es war sehr fancy mit richtigem Tanzboden und hübschen Lampen und allem drum und dran. Es waren im Endeffekt so um die zehn Leute da, wobei (was extrem ungewöhnlich ist) es mehr Männer gab als Frauen. In China ist der Tango grundsätzlich anders als in Freiburg. In Chengdu war man sehr auf Haltung und Technik bedacht. Ich persönlich tanze zwar viele Figuren und ich denke es gibt viele Tänzer die mehr Gefühl in ihrem Tanz haben als mich aber die Chinesen tanzen  gerade zu kalt. Sie machen die Figuren wie aus dem Bilderbuch aber allem fehlt es an Biss an Seele und an Feuer. Sie laufen mir zu langsam, lassen sich nicht treiben und auch schlecht führen. Ein Beispiel. Ich führe viel über meine linke Hand, gebe also viel Druck auf dieser, weil ich die Figuren selten zu Ende tanze sondern mich einfach treiben lasse. Also muss ich viele Impulse geben oder bekommen und dafür eignet sich die linke Hand finde ich sehr gut. Die Chinesen fanden meine Haltung alle zu stark und wollten die Figur immer so zu Ende tanzen wie sie gelernt hatten. Für mich lebt der Tango aus dem Dialog. Aufgrund der engen Haltung und dem starken Kontakt fühlt man sehr viel vom Partner und kann so als Führender viel leichter auf den oder die Folgenden eingehen. Wenn man sich dann eingespielt hat kann man sich regelrecht treiben lassen. Ich muss nur noch kurze Impulse geben und der Rest kommt dann beim Tanz. Ein ganz wunderbares und sehr intimes Gefühl. Hinzu kommt, dass es extrem schön aussieht wenn erst einmal flüssig getanzt wird. An diesen Punkt kam ich leider mit den Chinesen nicht. Deswegen habe ich mich auch entschlossen die 50 Yuan für die Milonga nicht zu zahlen und habe mich als alle außer mir am tanzen waren schnell verzogen. Aber auch wenn ich schon deutlich schönere Milongas hatte, hat es gut getan wieder zu tanzen. Tango ist mein Tanz und ich fühle mich immer gut wenn ich Tango tanze.

So jetzt lerne ich ein bisschen für die Uni und später lerne ich Majong.

Schönen Tag euch allen noch,

Zeno

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