Mittwoch, 30. September 2015

Dies und das



Am Sonntag habe ich gelernt wie man Majong spielt. Majong ist eine chinesische Version von Skart. Anstatt mit Karten wir mit Steinen gespielt die mit drei verschiedenen Symbolen und Nummern von eins bis neune bedruckt sind. Das ganze wird zu viert gespielt und man muss Steinchen sammeln. Majong erfreut sich extremer Beliebtheit in China. Man sieht viele alte Damen in Teehäusern sitzen und Majong spielen (natürlich um Geld, Chinesen lieben Glücksspiel) und die Chinesen sagen immer, dass die alten Damen ihre Enkel irgendwo parken um dann Majong spielen zu können. Wir haben nicht um Geld gespielt aber da an dem Tag Mondfest war (im Prinzip ein Fest zur Sonnenwende) haben wir Mondkuchen gegessen. Eine Art Pastete gefüllt mit Fleisch oder süßer Paste. Die mit süßer Paste sind sehr lecker die mit Fleisch… waren nicht mein Fall. Nach vier Spielen hatte ich dann alles so weit verinnerlicht, dass ich auch mal gewonnen habe und nach ein paar Stündchen sind wir dann heimgegangen. Oh erwähnen möchte ich noch die Majongtische. Vollautomatisch haben diese die Steine gemischelt und ausgeteilt. Alles sehr fancy.

Die letzten Tage habe ich dann wieder viel im Labor und im Office gesessen und gelesen und Proben hergestellt. Dabei habe ich mich viel mit Orange unterhalten und schon die ersten Abschiedsgeschenke bekommen. So anstrengend China und die Chinesen sind, umso spannender ist es bei ihnen zu sein. Ich mag das Chaos, die entspannte Art, das viele Essen überall und um ganz ehrlich zu sein mag auch den Dreck. Das Leben in China ist nicht so geradlinig wie in Deutschland alles ist etwas anstrengender und außerdem sind die Leute sehr gastfreundlich und machen einem andauernd Komplimente.

Naja. Ich muss jetzt tatsächlich schon los, denn mein Zug nach Xi’an fährt bald. Gestern habe ich noch heraus gefunden, dass ich nicht die vollen 18 Stunden Zugfahrt stehen muss sondern einen Sitzplatz habe. Ich hätte Orange am liebsten geküsst als sie mir das erzählt hat. Ich war überglücklich.

So jetzt muss ich aber los. Bis die Tage,

Zeno

Samstag, 26. September 2015

This is the Life



Die letzten Tage waren sehr ereignisreich. Nicht im Labor aber dafür außerhalb. Als erstes war ich am Mittwoch Swing tanzen. Nachdem ich der festen Überzeugung war, dass es Chengdu keine Tango Szene gibt habe ich beschlossen Swing eine Chance zu geben, da dieser hier sehr beliebt ist. Also bin ich mittwochs in eine Bar nicht weit vom Campus gegangen in der eine kurze Einführung war und anschließend getanzt wurde. Es war sehr angenehm. Die Chinesen waren alle sehr locker drauf, es waren ein paar Ausländer da und die Bar war sehr stimmungsvoll. Das einzige was etwas blöd war, war meine mangelnde Swing-Kenntnis. Am nächsten Tag war morgens in Vortrag von einem Mann der bei der BASF in der Forschung tätig ist. Da ich im Büro eh nur am lesen war, bin ich hingegangen. Der Vortrag ging vor allem um die Gebiete in denen die BASF gerade forscht (also im Hinblick auf Polymerwissenschaften) und welche neue Produkte sie entwickelt haben. Nach dem Vortrag bin ich dann zu dem guten Mann gegangen und habe ihn mal gefragt, ob die BASF auch Praktikanten nimmt die noch in ihrem Bachelor sind. Er meinte wir sollen mal darüber reden, wenn ich wieder in Deutschland bin und hat mir seine Karte gegeben. Da bin ich mal gespannt.
Abends bin ich dann mit einigen Studenten aus der Gruppe zu einer Veranstaltung über einen Auslandsaufenthalt in Deutschland gegangen. Diese wurde von einer jungen Frau veranstaltet die acht Jahre lang in Deutschland gelebt und studiert hat. Wir haben uns ein wenig auf Deutsch unterhalten und danach habe ich dann auf meinem Handy Artikel gelesen, weil die Veranstaltung selber auf Chinesisch war. Freitags dann war ich an der Reihe eine kleine Präsentation zu geben. Es war das erste Treffen von der Arbeitsgruppe um Professor Fu und ich sollte etwas über mich, mein Program, meine Uni und Freiburg erzählen. Das habe ich ganz gewissenhaft gemacht und die Anwesenden waren ganz begeistert über die Bilder von Freiburg auch wenn ich glaube, dass die meisten mir nicht ganz folgen konnten, da ihr Englisch bzw. ihr gesprochenes Englisch eher gebrochen ist. Nach dem Treffen dann ist der ganze AK zum Hot Pot Dinner aufgebrochen. Knapp 50 Leute sind in das Restaurant gestürmt und dann wurde gegessen und getrunken. Der Hot Pot war wie üblich reichlich. Diverse Innereien, Fleisch von allen Tieren die essbar sind, Fisch und Dumplings, Gemüse und Seetang, Hackfleischbällchen und ab und zu werden kleine süße Snacks zwischendurch gereicht. Dazu gab es einmal frisch gepressten Wassermelonensaft und sehr schwaches Bier. Das habe sogar ich getrunken, da es weniger nach Bier als vielmehr nach Wasser mit Bieraroma geschmeckt hat. Ich fand es sehr schön, dass der ganze AK zusammenkam und Professor Fu und die anderen Professoren haben sich sichtlich bemüht, dass es allen gut geht bzw. alle eine schöne Zeit haben.
Gegen neun sind dann alle aufgebrochen und ich bin noch zum English Corner und habe dort mit dem Master Studenten gequatscht der das SEM betreut. Während wir uns unterhalten haben hat mich dann die junge Chinesin ausfindig gemacht die mich am Lotusbrunnen vor knapp drei Wochen angequatscht hat. Die bin ich dann auch den Rest des Abends nicht mehr los geworden. War aber trotzdem schön.
Am Freitag habe ich auch noch eine Mail bekommen von einer Tango Lehrerin in Chengdu die mir die Adresse von einer Milonga in Chengdu geschickt hat. Also bin ich am Samstag dann freudig durch die Stadt geeilt um endlich wieder Tango zu tanzen. Die Milonga war in einer Tanzschule bzw. in dem Ballsaal der Tanzschule. Es war sehr fancy mit richtigem Tanzboden und hübschen Lampen und allem drum und dran. Es waren im Endeffekt so um die zehn Leute da, wobei (was extrem ungewöhnlich ist) es mehr Männer gab als Frauen. In China ist der Tango grundsätzlich anders als in Freiburg. In Chengdu war man sehr auf Haltung und Technik bedacht. Ich persönlich tanze zwar viele Figuren und ich denke es gibt viele Tänzer die mehr Gefühl in ihrem Tanz haben als mich aber die Chinesen tanzen  gerade zu kalt. Sie machen die Figuren wie aus dem Bilderbuch aber allem fehlt es an Biss an Seele und an Feuer. Sie laufen mir zu langsam, lassen sich nicht treiben und auch schlecht führen. Ein Beispiel. Ich führe viel über meine linke Hand, gebe also viel Druck auf dieser, weil ich die Figuren selten zu Ende tanze sondern mich einfach treiben lasse. Also muss ich viele Impulse geben oder bekommen und dafür eignet sich die linke Hand finde ich sehr gut. Die Chinesen fanden meine Haltung alle zu stark und wollten die Figur immer so zu Ende tanzen wie sie gelernt hatten. Für mich lebt der Tango aus dem Dialog. Aufgrund der engen Haltung und dem starken Kontakt fühlt man sehr viel vom Partner und kann so als Führender viel leichter auf den oder die Folgenden eingehen. Wenn man sich dann eingespielt hat kann man sich regelrecht treiben lassen. Ich muss nur noch kurze Impulse geben und der Rest kommt dann beim Tanz. Ein ganz wunderbares und sehr intimes Gefühl. Hinzu kommt, dass es extrem schön aussieht wenn erst einmal flüssig getanzt wird. An diesen Punkt kam ich leider mit den Chinesen nicht. Deswegen habe ich mich auch entschlossen die 50 Yuan für die Milonga nicht zu zahlen und habe mich als alle außer mir am tanzen waren schnell verzogen. Aber auch wenn ich schon deutlich schönere Milongas hatte, hat es gut getan wieder zu tanzen. Tango ist mein Tanz und ich fühle mich immer gut wenn ich Tango tanze.

So jetzt lerne ich ein bisschen für die Uni und später lerne ich Majong.

Schönen Tag euch allen noch,

Zeno

Dienstag, 22. September 2015

Deconstructed



Die letzten beiden Tage waren eigentlich recht ereignislos. Ich habe im Labor unser Graphen mit ionischer Flüssigkeit versetzt und ansonsten nicht viel gemacht. Aber eben in dieser Ruhe lag der Knackpunkt. Ich habe mal ein Interview mit einem Architekten gesehen, der in Peking ein sehr beeindruckendes Gebäude entworfen und gebaut hat. Dieser meinte, dass er als er das erste Mal durch China gereist sei regelrecht „Deconstructed“ wurde. Dieses Gefühl habe ich auch jedes Mal wenn ich in China bin.

China ist ein sehr intensives Land. Es fängt bei der Geschichte und Kultur an. Sowohl das kaiserliche China als auch das kommunistische sind Welten von dem entfernt was wir im Westen erlebt haben. Beides führt dazu, dass die Mentalität der Chinesen grundverschieden ist von der unseren. In China gibt es einen viel stärkeren Personenkult und Status hat einen viel höheren Stellenwert. Zwei Beispiele möchte ich anführen. Das erste wären die Tempel zu ehren von Personen aus dem antiken Kaiserreich. Auch in Europa gibt es Kirchen die Heiligen gewidmet sind und gerade im Katholizismus werden auch Heilige verehrt aber eine Kirche ist immer noch ein Gotteshaus und somit steht dieser bzw. Jesu Christi im Mittelpunkt. In Tempeln hier in China dagegen werden konkrete Personen verehrt. Sie werden mit gewissen Qualitäten assoziiert und betet zu ihnen um Beistand zu erbitten. Dabei wird die Person aber gleichzeitig auf diese Qualität minimiert und nicht als historische Persönlichkeit wahrgenommen. Das führt mich direkt zu meinem zweiten Punkt. In China gibt es immer „das beste Restaurant“, „die beste Uni“, „den besten Professor“ und so weiter. Häufig werde ich gefragt welches die beste Uni in Deutschland sei und wenn ich antworte, dass das wenn dann vom Fach abhängt und da dann auch wieder davon auf was man Wert legt, gibt es im Allgemeinen eher Unverständnis und etwas verwunderte Blicke. In China sind die beiden Unis in Peking die besten Punkt. Ich tue mir mit so etwas unendlich schwer. Sicherlich genießt die LMU in München einen sehr guten internationalen Ruf aber das liegt daran, dass sie viel Forschung betreibt, was bedeutet, dass das ihr Schwerpunkt ist und dementsprechend weniger viel Wert auf die Qualität der Lehre gelegt wird. Natürlich sind die Uni Freiburg und Tübingen sehr alte Unis und dementsprechend renommiert aber ob ihre Ausbildung deswegen besser ist als in anderen Standorten ist fraglich. Auch wenn man die Forschung betrachtet ist es sehr schwierig die beste Uni zu finden, weil verschiedene Standorte verschieden Schwerpunkte haben. In China dagegen reicht e wenn man eine große Gruppe von Menschen von sich überzeugt und schon gilt man als de Beste oder der Beste und kann sich vor Andrang kaum retten. Ab diesem Zeitpunkt wird auch nicht mehr hinterfragt woher denn dieser Ruf kommt. Ich hab vor einiger Zeit mal einen Artikel gelesen über einen Mann der sich in der Provinz in China für einen ranghohen Politiker ausgegeben hat und so überzeugend war, dass er monatelang politische Ämter übernommen hat ohne überhaupt in der Partei zu sein und auch noch unter falschen Namen.

Das ist ein kultureller Unterschied der mir in letzter Zeit sehr auffällt aber auch abgesehen davon ist China intensiv. Das Land entwickelt sich mit rasantem Tempo. Überall sind Baustellen (häufig für Apartments die man gar nicht braucht), es ist viel lauter, dreckiger und voller als Deutschland und wie ich schon vorher erwähnt habe ist die Gesellschaft extrem homogen. Das alles führte dazu, dass ich mich die letzten Tage wie zerlegt gefühlt habe. Der Lärm, die Menschen und auch der Dreck lasen einen nicht so recht entspannen, ich war müde und ohne Bratsche und beraubt von der Möglichkeit mir zumindest mal etwas zu Essen zu kochen auch ohne Möglichkeit mich abzulenken. Ich habe mich gefühlt als sei mein ganzes Inneres nach außen gekehrt. Die ganze Verunsicherung über mich, mein Studium und meinen weiteren Weg, der Frust über mein beeinträchtigtes Privatleben und die Opfer die ich für mein Studium bringen muss und vor allem auch ein tiefes Gefühl von allein sein und gewisser Weise auch Einsamkeit. Zwischen mir und den Chinesen liegt ein viel weiterer Abgrund als zwischen mir und den Amerikanern und eine emotionale Bindung aufzubauen empfinde ich als bedeutend schwieriger. Natürlich habe ich viele Freunde in Deutschland und einsam bin ich sicher nicht aber in China fühle ich mich jedes Mal etwas verloren.

Das mag jetzt alles sehr traurig klingen aber im Endeffekt ist es das nicht. Dadurch dass das alles in mir hochkommt werde ich nochmals gezwungen mir Gedanken darüber zu machen. Mir wird klar, dass ich zwar Opfer für mein Studium (und hoffentlich auch meine Karriere) bringen muss aber dass das okay ist, weil es das ist was ich will und was mich glücklich macht. Ich bin ein Arbeitstier und lieber habe ich das Gefühl ein tolles Event verpasst zu haben als eine Gelegenheit zu verpassen mich weiter zu entwickeln und mein Studium voran zu bringen. Das Gefühl von allein sein und Einsamkeit ist etwas schwieriger. Einsamkeit hat seit Lothars Tod eine andere Dimension für mich angenommen und bedeutet häufig, dass ich emotional an einem Punkt bin an dem noch nicht viele in meinem Alter sind. Gleichzeitig hat sich durch Lothars Tod aber auch meine Verbindung zu Freunden und vor allem zu meiner Familie verändert, beziehungsweise gestärkt. Ich weiß, dass ich ein Netzwerk aus Menschen habe denen ich am Herzen liege und die mich auffangen können. Ich weiß, dass eine Nachricht vom anderen Ende der Welt mich sehr berühren kann und dass sowohl Raum als auch Zeit keine Einschränkungen sind.

Dieses Bewusstsein kommt mir nur wenn ich gefordert werde und ich an einem Ort bin der mich herausfordert und für mich ist China dieser Ort. Die letzten beiden Tage haben mich wieder einmal bestärkt meinen Weg zu gehen und das am Ende alles immer gut sein wird.

Sonntag, 20. September 2015

Kaffee und Fahrrad



Gestern war ich herrlich unproduktiv. Ich bin gegen halb zwölf aufgestanden (Ausschlafen welch eine Wohltat) und bin dann zu aller erst in das Restaurant neben an gegangen um dort Dumplings zu frühstücken. Ich musste auch noch feiern, dass ich zum Vorstellungsgespräch für ein Fulbright Stipendium eingeladen wurde. Gestärkt und glücklich bin ich dann nach Downtown aufgebrochen um dort das Museum of Art zu besuchen. Dieses hat erst vor vier Monaten die Türen für Besucher eröffnet. Dementsprechend ist es leider auch bestückt. Es gibt viele Papierschnitte und viele Kunst aus der Kulturrevolution die alle Mao beim befreien des Volkes oder das Volk wie es sich befreit zeigen. Ohne sich abschätzend über maoistische Kunst äußern zu wollen aber die Ähnlichkeit zwischen den Bildern war etwas ermüdend. Es gab einige die warne tatsächlich sehr ansprechend aber muskelbepackte Männer und etwas männliche Frauen die gemeinsam den Acker bestellen entsprechen nicht unbedingt meinem ästhetischem Ideal. Es gab noch einen Raum mit Kunst von ansässigen Clans. Der wäre bestimmt spannend gewesen, wären nicht alle Schilder auf Chinesisch gewesen.

Nach diesem eher kurzen Aufenthalt hatte ich das dringende Bedürfnis nach drei Wochen mal wieder Kaffee zu trinken. Ich habe ein kleines Cafe in der Nähe des Museums gefunden, dass Kaffee zu deutschen Preisen verkauft hat. Ich habe mir einen Bierkrug mit Eiskaffee bestellt und mich raus gesetzt und gelesen. Nach einer guten Stunde bin ich noch in den Renmin Park habe dort den Frauen beim Tanzen zu gesehen etwas gelesen unter den duftenden Bäumen und war glücklich. Eigentlich hatte ich vor abends dann noch Tango tanzen zu gehen aber das fällt leider endgültig flach, da das Hotel in dem die Milonga sein soll vor einem halben Jahr abgerissen wurde. Naja dann halt erst in Freiburg wieder.

Meinen Sport hatte ich dafür heute. Wir sind zu fünft mit dem Fahrrad los. Natürlich wieder morgens um neun (warum müssen die Chinesen solche Frühaufsteher sein). Nachdem wir ein Fahrrad geliehen haben sind wir los. Gute 20km sind wir aus Chengdu rausgefahren. Wenn man das so nennen kann. Wir waren immer auf Straßen die ungefähr so breit sind wie unsere typische Autobahn und die Hochhäuser haben nie aufgehört. Was heißt Hochhäuser, die Apartmentgebäude. Ich lese in letzter Zeit viele Artikel über China und viele berichten über die Apartmentgebäude die in China überall aus dem Boden gestampft werden und dann leer stehen, weil der Bedarf an Wohnungen gar nicht so groß ist und bei unserem Ausflug habe ich tatsächlich viele sehr verwahrlost aussehende Gebäude ausgemacht und noch viel erschreckender Einfahrten zu Apartmentkomplexen von denen gerade einmal ein halber Turm da steht und vor sich hin vergammelt. Was mir auch aufgefallen ist, das wir den urbanen Raum nie verlassen haben. Wir sind gute zwei Stunden mit dem Fahrrad aus Chengdu rausgefahren und trotzdem sah alles noch nach Stadt aus.

Wir kamen irgendwann in einem „Dorf“ an, welches eine antike Straße hat. Es war mal wieder eine Tourimeile mit dem üblichen Kram der da so rumfährt und ein zwei zweitklassigen Kunstgeschäften dazwischen. Üblicherweise rennen da immer alte Frauen rum die so Blumenkränze verkaufen. Die haben mir unglaublich gut gefallen und als wir ein paar Chinesinnen angesprochen haben, wo sie ihre besonders schönen Exemplare herhaben, da haben sie mir einen geschenkt. Mit Blumen im Haar und eine Gefühl von Glück im Herzen (das auch vom sehr großen und sehr leckeren Mittagessen gestammt haben könnte) wollten wir dann noch in die Berge radeln. Aber es hat angefangen zu nieseln und wenn es in den Bergen regnet ist es zu gefährlich dort Fahrrad zu fahren, also sind wir wieder zurück gen Chengdu gefahren. Im Nachhinein nicht so schlimm. Weil meine Beine jetzt schon ziemlich geschunden sind und ich glaube wären wir noch durch die Berge geradelt, hätte ich jetzt keinen Schritt mehr tun können.

Pünktlich als wir dann wieder in Chengdu waren und gerade unsere Fischnudelsuppe bekamen hat es Sturzbäche geregnet. Also war die Entscheidung zurück zu gehen sehr weiße.

So jetzt gehe ich tot müde aber glücklich in mein Bett.

Gute Nacht,

Zeno

Freitag, 18. September 2015

Internal Mixing, DSC und SEM



Vorgestern habe ich zusammen mit einer Doktorandin die internal Mixing Maschine bedient. Das ist im Prinzip eine Art Fleischwolf, den man auf 200°C hoch heizen kann. Wir haben damit Gemische aus verschiedenen Polymeren und aus Polymeren und Kohlenstoffnanoröhren hergestellt. Das war an sich recht spaßig hat aber etwas länger gedauert, da man andauernd die Maschine putzen muss. Abgesehen davon habe ich an dem Tag bloß gelesen und mich über Master Studiengänge an verschiedenen Unis schlau gemacht.

Gestern habe ich dann zuerst ein DSC (Differntial Scanning Calorimetry) aufnehmen dürfen, was auch spannender klingt als es ist. Man setzt ein paar Milligramm Probe in einen kleinen Alubehälter und diesen dann in die Maschine und diese läuft dann zwei Stunden vor sich hin. Während die vor sich hin tuckerte durfte ich dann zum Rasterelektronenmikroskop (SEM). Das war richtig cool. Mit dem SEM kann man die Oberfläche von Polymeren untersuchen. Damit das aber funktioniert müssen auf die erst mal eine dünne Schicht aus Gold aufgeschossen werden. Dafür werden die Proben in ein Argonplasma gehüllt wobei an den Wänden Gold ist welches sich dann auf den Proben anlagert. Das Ganze ist ein kleiner Glaszylinder der während des Prozesses stark lila leuchtet. Die fertigen Proben werden dann ins SEM gegeben und dort untersucht. Ich durfte die Maschine bedienen. Mit diesem Gerät kann bis jenseits der 10.000fachen Vergrößerung gehen. Es war faszinierend. Man konnte die Poren im Polymer sehen und die sind unglaublich klein (das kleinste was ich gesehen habe war gerade mal 100nm groß also knapp 10.000.000 kleiner als ein mm).

Auch wenn das alles sehr cool ist, frage ich mich häufig ob es das ist was sich mein betreuender Professor vorstellt. Ich lerne viel und sammle Erfahrung aber komme halt mit meinem Projekt nicht voran. Hauptsächlich weil meine zuständige Doktorandin gerade dabei ist sich auf verschiedene Jobs zu bewerben und dementsprechend viele Bewerbungsgespräche hat und Bewerbungen schreibt. Ich frage sie mal am Montag wie es denn jetzt aussieht. Ich will jetzt auch nicht mit ganz leeren Händen da stehen.

Naja jetzt ist erst mal Wochenende und ich gehe in die Stadt rein.

Bis dann,

Zeno