Die letzten Tage waren sehr ereignisreich. Nicht im Labor
aber dafür außerhalb. Als erstes war ich am Mittwoch Swing tanzen. Nachdem ich
der festen Überzeugung war, dass es Chengdu keine Tango Szene gibt habe ich
beschlossen Swing eine Chance zu geben, da dieser hier sehr beliebt ist. Also
bin ich mittwochs in eine Bar nicht weit vom Campus gegangen in der eine kurze
Einführung war und anschließend getanzt wurde. Es war sehr angenehm. Die
Chinesen waren alle sehr locker drauf, es waren ein paar Ausländer da und die Bar
war sehr stimmungsvoll. Das einzige was etwas blöd war, war meine mangelnde
Swing-Kenntnis. Am nächsten Tag war morgens in Vortrag von einem Mann der bei
der BASF in der Forschung tätig ist. Da ich im Büro eh nur am lesen war, bin ich
hingegangen. Der Vortrag ging vor allem um die Gebiete in denen die BASF gerade
forscht (also im Hinblick auf Polymerwissenschaften) und welche neue Produkte
sie entwickelt haben. Nach dem Vortrag bin ich dann zu dem guten Mann gegangen
und habe ihn mal gefragt, ob die BASF auch Praktikanten nimmt die noch in ihrem
Bachelor sind. Er meinte wir sollen mal darüber reden, wenn ich wieder in
Deutschland bin und hat mir seine Karte gegeben. Da bin ich mal gespannt.
Abends bin ich dann mit einigen Studenten aus der Gruppe zu
einer Veranstaltung über einen Auslandsaufenthalt in Deutschland gegangen.
Diese wurde von einer jungen Frau veranstaltet die acht Jahre lang in
Deutschland gelebt und studiert hat. Wir haben uns ein wenig auf Deutsch
unterhalten und danach habe ich dann auf meinem Handy Artikel gelesen, weil die
Veranstaltung selber auf Chinesisch war. Freitags dann war ich an der Reihe
eine kleine Präsentation zu geben. Es war das erste Treffen von der Arbeitsgruppe
um Professor Fu und ich sollte etwas über mich, mein Program, meine Uni und
Freiburg erzählen. Das habe ich ganz gewissenhaft gemacht und die Anwesenden
waren ganz begeistert über die Bilder von Freiburg auch wenn ich glaube, dass
die meisten mir nicht ganz folgen konnten, da ihr Englisch bzw. ihr
gesprochenes Englisch eher gebrochen ist. Nach dem Treffen dann ist der ganze
AK zum Hot Pot Dinner aufgebrochen. Knapp 50 Leute sind in das Restaurant
gestürmt und dann wurde gegessen und getrunken. Der Hot Pot war wie üblich
reichlich. Diverse Innereien, Fleisch von allen Tieren die essbar sind, Fisch
und Dumplings, Gemüse und Seetang, Hackfleischbällchen und ab und zu werden
kleine süße Snacks zwischendurch gereicht. Dazu gab es einmal frisch gepressten
Wassermelonensaft und sehr schwaches Bier. Das habe sogar ich getrunken, da es
weniger nach Bier als vielmehr nach Wasser mit Bieraroma geschmeckt hat. Ich
fand es sehr schön, dass der ganze AK zusammenkam und Professor Fu und die
anderen Professoren haben sich sichtlich bemüht, dass es allen gut geht bzw.
alle eine schöne Zeit haben.
Gegen neun sind dann alle aufgebrochen und ich bin noch zum
English Corner und habe dort mit dem Master Studenten gequatscht der das SEM
betreut. Während wir uns unterhalten haben hat mich dann die junge Chinesin
ausfindig gemacht die mich am Lotusbrunnen vor knapp drei Wochen angequatscht
hat. Die bin ich dann auch den Rest des Abends nicht mehr los geworden. War
aber trotzdem schön.
Am Freitag habe ich auch noch eine Mail bekommen von einer
Tango Lehrerin in Chengdu die mir die Adresse von einer Milonga in Chengdu
geschickt hat. Also bin ich am Samstag dann freudig durch die Stadt geeilt um endlich
wieder Tango zu tanzen. Die Milonga war in einer Tanzschule bzw. in dem
Ballsaal der Tanzschule. Es war sehr fancy mit richtigem Tanzboden und hübschen
Lampen und allem drum und dran. Es waren im Endeffekt so um die zehn Leute da,
wobei (was extrem ungewöhnlich ist) es mehr Männer gab als Frauen. In China ist
der Tango grundsätzlich anders als in Freiburg. In Chengdu war man sehr auf
Haltung und Technik bedacht. Ich persönlich tanze zwar viele Figuren und ich
denke es gibt viele Tänzer die mehr Gefühl in ihrem Tanz haben als mich aber
die Chinesen tanzen gerade zu kalt. Sie
machen die Figuren wie aus dem Bilderbuch aber allem fehlt es an Biss an Seele
und an Feuer. Sie laufen mir zu langsam, lassen sich nicht treiben und auch
schlecht führen. Ein Beispiel. Ich führe viel über meine linke Hand, gebe also
viel Druck auf dieser, weil ich die Figuren selten zu Ende tanze sondern mich
einfach treiben lasse. Also muss ich viele Impulse geben oder bekommen und
dafür eignet sich die linke Hand finde ich sehr gut. Die Chinesen fanden meine
Haltung alle zu stark und wollten die Figur immer so zu Ende tanzen wie sie
gelernt hatten. Für mich lebt der Tango aus dem Dialog. Aufgrund der engen
Haltung und dem starken Kontakt fühlt man sehr viel vom Partner und kann so als
Führender viel leichter auf den oder die Folgenden eingehen. Wenn man sich dann
eingespielt hat kann man sich regelrecht treiben lassen. Ich muss nur noch
kurze Impulse geben und der Rest kommt dann beim Tanz. Ein ganz wunderbares und
sehr intimes Gefühl. Hinzu kommt, dass es extrem schön aussieht wenn erst einmal
flüssig getanzt wird. An diesen Punkt kam ich leider mit den Chinesen nicht.
Deswegen habe ich mich auch entschlossen die 50 Yuan für die Milonga nicht zu
zahlen und habe mich als alle außer mir am tanzen waren schnell verzogen. Aber
auch wenn ich schon deutlich schönere Milongas hatte, hat es gut getan wieder
zu tanzen. Tango ist mein Tanz und ich fühle mich immer gut wenn ich Tango
tanze.
So jetzt lerne ich ein bisschen für die Uni und später lerne
ich Majong.
Schönen Tag euch allen noch,
Zeno