Gestern bin ich den ganzen Tag eigentlich nur gelaufen.
Irgendwann gegen halb eins bin ich los Richtung Innenstadt. Meine erste Station
war der Nordbahnhof. Im Oktober gibt es anlässlich der Staatsgründung eine
Woche frei und diese Woche werde ich nutzen um nach Xi‘an zu fahren. Die
Hauptattraktion von Xi’an ist die Terrakottearmee des ersten Kaisers von China.
Von Chengdu aus ist die Stadt nur 18h weit weg, also noch durchaus im Rahmen
des nervlich möglichen. Als ich am nordbahnhof ankam war ich erst mal von der großen
Militärpräsenz überrascht. Große Wagen rollten überall rum andauernd wurde ich
angeschrien aus dem Weg zu gehen und überall waren Soldaten in voller Montur.
Leicht verwirrt habe ich dann versucht den Ticketschalter zu finden. Ich will
nicht sagen, dass der Bahnhof unnötig kompliziert gestaltet ist aber er ist
unnötig kompliziert gestaltet. Es hat mich eine geschlagene halbe Stunde gekostet
das kleine Gebäude mit dem knapp einen Quadratmeter großem Schild davor zu
finden, dass knappe 200m vom Bahnhof weit weg liegt zu finden. Aber egal. Ich
habe phänomenal günstige Tickets bekommen vermute aber, dass ich wieder stehen
darf. Egal ich habe 30€ für zweimal 18h Zugfahrt gezahlt, Das rechtfertigt so
einiges.
Nach meinen Ausflug zum Bahnhof bin ich zum Tempel der
grünen Ziegen. Einen der wenigen buddhistischen Tempel der sowohl die
japanische Besatzung als auch die Kommunisten überlebt hat (zumindest in
Teilen). Der Tempel ist bildhübsch. Überall sind Blumen, bunte Statuen von
buddhistischen Gottheiten (glaube ich zumindest), Becken mit Räucherstäbchen
und zwischen allem tummeln sich betende Chinesen und Nonnen und Mönche die
Kindern Kung Fu beibringen oder Tai Chi unterrichten. Tempel in China haben
eine ganz andere Atmosphäre als Kirchen in Europa. Kirchen strahlen (zumindest
für mich) etwas zutiefst sakrales aus. Ihre gewaltigen Mauern, die hohen Decken
und die andächtige Stille erschafft eine Art Demut und einen Raum in dem die
Einzelperson im Angesicht der Göttlichkeit in den Hintergrund rückt. Tempel in
China dagegen versprühen eine Atmosphäre der Harmonie. In ihnen wird sowohl den
Lebenden als auch den Toten gedacht und die Einzelperson kommt hier her um sich
selbst zu finden, um Beistand zu bitten oder um den Kontakt zur eigenen Kultur
zu halten. Das ist zumindest mein Eindruck. Etwas zu Religion in China zu sagen
ist schwer, da die meisten Chinesen mit denen ich zu tun hatte oder habe
keinerlei Religion praktizieren und auch den Kontakt dazu verloren haben. Ich
selbst bin zwar nicht religiös aber die Auseinandersetzung mit Religion und auch
Spiritualität in den USA hat mir sehr gut getan und mich persönlich sehr viel
weiter gebracht. Ich hätte das gerne auch in China erlebt aber wie gesagt ist
das hier schwieriger.
Hinter dem Tempel liegt natürlich ein Park. In dem Park
konnte man die üblichen Verdächtigen beobachten. Ein Gruppe hat flei0g getanzt,
dann gab es die üblichen Badminton Spieler und Kinder die Kois gefüttert haben.
Dann gab es aber auch eine Gruppe von älteren Herren und Damen die anscheinend
für den Nationalfeiertag eine Art Performance einüben. Die Herren wedeln dafür
mit chinesischen Flaggen herum und die Damen haben Fächer an die bunte Tücher
angebracht sind mit denen sie grazile durch die Gegend hüpfen. Dazu spielt sehr
kitschige chinesische Musik. Das Ganze war irgendwie süß mit anzusehen.
Abends wollte ich dann noch Tango tanzten gehen, was daran
scheiterte, dass ich das Hotel in dem die Milonga sein sollte nicht gefunden
habe. Etwas genervt bin ich dann nach Hause und schlafen gegangen denn heute
Morgen musste ich früh raus. Wir (ich, Xiaodong, Sasa und noch zwei andere Doktoranden)
sind zur Pandazuchtstation gefahren. Der große Panda lebt in der Nähe von
Chengdu und in Chengdu ist die größte Pandazuchtsation weltweit. Gute zwei
Stunden sind wir mit dem Bus durch die Gegend getuckert und kamen dann an. Die
Station ist eigentlich mehr ein Zoo in dem es fast ausschließlich Pandas gibt.
Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter. Die Sonne schien, was in China sehr
selten ist, vor lauter Smog am Himmel und die Pandas lagen alle draußen und haben
sich gesonnt. Pandas gehören zu den Tieren, die ich nicht ganz ernst nehmen
kann. Sie schlafen, essen und liegen rum mehr nicht. Selbst die Jungtiere
machen nicht wirklich viel. Man muss aber sagen, dass sie schon hübsch
anzusehen sind mit ihrem Fell und dem kleinen Schwabbelbauch. Neben Pandas in
verschieden Altersstufen gab es noch ein paar Pfaue und kleine rote Pandas die
aussehen wie Waschbären zu sehen.
Jetzt liege ich nach diesen beiden sehr schönen Tagen
ziemlich müde in meinem Bett und gönne mir ein Bad.
Bis dann,
Zeno
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