Sonntag, 13. September 2015

Tempel und Pandas



Gestern bin ich den ganzen Tag eigentlich nur gelaufen. Irgendwann gegen halb eins bin ich los Richtung Innenstadt. Meine erste Station war der Nordbahnhof. Im Oktober gibt es anlässlich der Staatsgründung eine Woche frei und diese Woche werde ich nutzen um nach Xi‘an zu fahren. Die Hauptattraktion von Xi’an ist die Terrakottearmee des ersten Kaisers von China. Von Chengdu aus ist die Stadt nur 18h weit weg, also noch durchaus im Rahmen des nervlich möglichen. Als ich am nordbahnhof ankam war ich erst mal von der großen Militärpräsenz überrascht. Große Wagen rollten überall rum andauernd wurde ich angeschrien aus dem Weg zu gehen und überall waren Soldaten in voller Montur. Leicht verwirrt habe ich dann versucht den Ticketschalter zu finden. Ich will nicht sagen, dass der Bahnhof unnötig kompliziert gestaltet ist aber er ist unnötig kompliziert gestaltet. Es hat mich eine geschlagene halbe Stunde gekostet das kleine Gebäude mit dem knapp einen Quadratmeter großem Schild davor zu finden, dass knappe 200m vom Bahnhof weit weg liegt zu finden. Aber egal. Ich habe phänomenal günstige Tickets bekommen vermute aber, dass ich wieder stehen darf. Egal ich habe 30€ für zweimal 18h Zugfahrt gezahlt, Das rechtfertigt so einiges.

Nach meinen Ausflug zum Bahnhof bin ich zum Tempel der grünen Ziegen. Einen der wenigen buddhistischen Tempel der sowohl die japanische Besatzung als auch die Kommunisten überlebt hat (zumindest in Teilen). Der Tempel ist bildhübsch. Überall sind Blumen, bunte Statuen von buddhistischen Gottheiten (glaube ich zumindest), Becken mit Räucherstäbchen und zwischen allem tummeln sich betende Chinesen und Nonnen und Mönche die Kindern Kung Fu beibringen oder Tai Chi unterrichten. Tempel in China haben eine ganz andere Atmosphäre als Kirchen in Europa. Kirchen strahlen (zumindest für mich) etwas zutiefst sakrales aus. Ihre gewaltigen Mauern, die hohen Decken und die andächtige Stille erschafft eine Art Demut und einen Raum in dem die Einzelperson im Angesicht der Göttlichkeit in den Hintergrund rückt. Tempel in China dagegen versprühen eine Atmosphäre der Harmonie. In ihnen wird sowohl den Lebenden als auch den Toten gedacht und die Einzelperson kommt hier her um sich selbst zu finden, um Beistand zu bitten oder um den Kontakt zur eigenen Kultur zu halten. Das ist zumindest mein Eindruck. Etwas zu Religion in China zu sagen ist schwer, da die meisten Chinesen mit denen ich zu tun hatte oder habe keinerlei Religion praktizieren und auch den Kontakt dazu verloren haben. Ich selbst bin zwar nicht religiös aber die Auseinandersetzung mit Religion und auch Spiritualität in den USA hat mir sehr gut getan und mich persönlich sehr viel weiter gebracht. Ich hätte das gerne auch in China erlebt aber wie gesagt ist das hier schwieriger.

Hinter dem Tempel liegt natürlich ein Park. In dem Park konnte man die üblichen Verdächtigen beobachten. Ein Gruppe hat flei0g getanzt, dann gab es die üblichen Badminton Spieler und Kinder die Kois gefüttert haben. Dann gab es aber auch eine Gruppe von älteren Herren und Damen die anscheinend für den Nationalfeiertag eine Art Performance einüben. Die Herren wedeln dafür mit chinesischen Flaggen herum und die Damen haben Fächer an die bunte Tücher angebracht sind mit denen sie grazile durch die Gegend hüpfen. Dazu spielt sehr kitschige chinesische Musik. Das Ganze war irgendwie süß mit anzusehen.

Abends wollte ich dann noch Tango tanzten gehen, was daran scheiterte, dass ich das Hotel in dem die Milonga sein sollte nicht gefunden habe. Etwas genervt bin ich dann nach Hause und schlafen gegangen denn heute Morgen musste ich früh raus. Wir (ich, Xiaodong, Sasa und noch zwei andere Doktoranden) sind zur Pandazuchtstation gefahren. Der große Panda lebt in der Nähe von Chengdu und in Chengdu ist die größte Pandazuchtsation weltweit. Gute zwei Stunden sind wir mit dem Bus durch die Gegend getuckert und kamen dann an. Die Station ist eigentlich mehr ein Zoo in dem es fast ausschließlich Pandas gibt. Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter. Die Sonne schien, was in China sehr selten ist, vor lauter Smog am Himmel und die Pandas lagen alle draußen und haben sich gesonnt. Pandas gehören zu den Tieren, die ich nicht ganz ernst nehmen kann. Sie schlafen, essen und liegen rum mehr nicht. Selbst die Jungtiere machen nicht wirklich viel. Man muss aber sagen, dass sie schon hübsch anzusehen sind mit ihrem Fell und dem kleinen Schwabbelbauch. Neben Pandas in verschieden Altersstufen gab es noch ein paar Pfaue und kleine rote Pandas die aussehen wie Waschbären zu sehen.

Jetzt liege ich nach diesen beiden sehr schönen Tagen ziemlich müde in meinem Bett und gönne mir ein Bad.

Bis dann,

Zeno

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