Sonntag, 20. September 2015

Kaffee und Fahrrad



Gestern war ich herrlich unproduktiv. Ich bin gegen halb zwölf aufgestanden (Ausschlafen welch eine Wohltat) und bin dann zu aller erst in das Restaurant neben an gegangen um dort Dumplings zu frühstücken. Ich musste auch noch feiern, dass ich zum Vorstellungsgespräch für ein Fulbright Stipendium eingeladen wurde. Gestärkt und glücklich bin ich dann nach Downtown aufgebrochen um dort das Museum of Art zu besuchen. Dieses hat erst vor vier Monaten die Türen für Besucher eröffnet. Dementsprechend ist es leider auch bestückt. Es gibt viele Papierschnitte und viele Kunst aus der Kulturrevolution die alle Mao beim befreien des Volkes oder das Volk wie es sich befreit zeigen. Ohne sich abschätzend über maoistische Kunst äußern zu wollen aber die Ähnlichkeit zwischen den Bildern war etwas ermüdend. Es gab einige die warne tatsächlich sehr ansprechend aber muskelbepackte Männer und etwas männliche Frauen die gemeinsam den Acker bestellen entsprechen nicht unbedingt meinem ästhetischem Ideal. Es gab noch einen Raum mit Kunst von ansässigen Clans. Der wäre bestimmt spannend gewesen, wären nicht alle Schilder auf Chinesisch gewesen.

Nach diesem eher kurzen Aufenthalt hatte ich das dringende Bedürfnis nach drei Wochen mal wieder Kaffee zu trinken. Ich habe ein kleines Cafe in der Nähe des Museums gefunden, dass Kaffee zu deutschen Preisen verkauft hat. Ich habe mir einen Bierkrug mit Eiskaffee bestellt und mich raus gesetzt und gelesen. Nach einer guten Stunde bin ich noch in den Renmin Park habe dort den Frauen beim Tanzen zu gesehen etwas gelesen unter den duftenden Bäumen und war glücklich. Eigentlich hatte ich vor abends dann noch Tango tanzen zu gehen aber das fällt leider endgültig flach, da das Hotel in dem die Milonga sein soll vor einem halben Jahr abgerissen wurde. Naja dann halt erst in Freiburg wieder.

Meinen Sport hatte ich dafür heute. Wir sind zu fünft mit dem Fahrrad los. Natürlich wieder morgens um neun (warum müssen die Chinesen solche Frühaufsteher sein). Nachdem wir ein Fahrrad geliehen haben sind wir los. Gute 20km sind wir aus Chengdu rausgefahren. Wenn man das so nennen kann. Wir waren immer auf Straßen die ungefähr so breit sind wie unsere typische Autobahn und die Hochhäuser haben nie aufgehört. Was heißt Hochhäuser, die Apartmentgebäude. Ich lese in letzter Zeit viele Artikel über China und viele berichten über die Apartmentgebäude die in China überall aus dem Boden gestampft werden und dann leer stehen, weil der Bedarf an Wohnungen gar nicht so groß ist und bei unserem Ausflug habe ich tatsächlich viele sehr verwahrlost aussehende Gebäude ausgemacht und noch viel erschreckender Einfahrten zu Apartmentkomplexen von denen gerade einmal ein halber Turm da steht und vor sich hin vergammelt. Was mir auch aufgefallen ist, das wir den urbanen Raum nie verlassen haben. Wir sind gute zwei Stunden mit dem Fahrrad aus Chengdu rausgefahren und trotzdem sah alles noch nach Stadt aus.

Wir kamen irgendwann in einem „Dorf“ an, welches eine antike Straße hat. Es war mal wieder eine Tourimeile mit dem üblichen Kram der da so rumfährt und ein zwei zweitklassigen Kunstgeschäften dazwischen. Üblicherweise rennen da immer alte Frauen rum die so Blumenkränze verkaufen. Die haben mir unglaublich gut gefallen und als wir ein paar Chinesinnen angesprochen haben, wo sie ihre besonders schönen Exemplare herhaben, da haben sie mir einen geschenkt. Mit Blumen im Haar und eine Gefühl von Glück im Herzen (das auch vom sehr großen und sehr leckeren Mittagessen gestammt haben könnte) wollten wir dann noch in die Berge radeln. Aber es hat angefangen zu nieseln und wenn es in den Bergen regnet ist es zu gefährlich dort Fahrrad zu fahren, also sind wir wieder zurück gen Chengdu gefahren. Im Nachhinein nicht so schlimm. Weil meine Beine jetzt schon ziemlich geschunden sind und ich glaube wären wir noch durch die Berge geradelt, hätte ich jetzt keinen Schritt mehr tun können.

Pünktlich als wir dann wieder in Chengdu waren und gerade unsere Fischnudelsuppe bekamen hat es Sturzbäche geregnet. Also war die Entscheidung zurück zu gehen sehr weiße.

So jetzt gehe ich tot müde aber glücklich in mein Bett.

Gute Nacht,

Zeno

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