Die Tage vor meiner Abreise waren etwas chaotisch. Ich hab
en doch eher sehr anstrengendes Semester gehabt mit viel Praktikum an der Uni
und viel Stress aber nebenbei mein Visum (wie üblich nach etwas Theater mit dem
Konsulat) beantragt und bekommen, mich um die Versicherung und Kram gekümmert
und ab und zu meinem zuständigem Professor geschrieben. Aber um ganz ehrlich zu
sein abgesehen vom Visum hat sich der organisatorische Aufwand stark in Grenzen
gehalten. Trotz allem kam ich nicht dazu meine letzten drei Posts über
Guangzhou, Yangshou und Hangzhou zu schreiben. Das wird bei Gelegenheit
nachgeholt. Heut aber erst mal den Bericht über meinen ersten Tag in Chengdu.
Um sechs Uhr morgens klingelt mein Wecker in Freiburg. Noch
im Tiefschlaf packe ich meinen Koffer fertig, mache mir einen Kaffee und packe
mein Vesper für die Fahrt ein. Auf der knapp vierstündigen Fahrt nach
Frankfurt, schlafe ich meistens und in Frankfurt angekommen wird erstmal das
Vesper gefuttert und dann eingecheckt. Ich fliege mit British Airlines, weil
die Alternative über Quatar geflogen wäre und statt 550€ knappe 1000€ gekostet
hätte. Eine langweilige Stunde später vertreibe ich mir meine Zeit in Heathrow
und überlege, ob ich auch wirklich den Adapter eingepackt habe und kontrolliere
in einem Anflug von Paranoia kontrolliere ich nochmal, ob ich nicht ausversehen
ein 30 Tage Visum und kein 60 Tage Visum bekommen habe. Aber alles ist so wie
es sein sollte, nur ich bin etwas übermüdet. Nach einer gefühlten Ewigkeit
sitze ich dann in meinem Flieger nach Chengdu und kann mich eigentlich nicht
beschweren. Bei meinem letzten Flug nach China bestand das Bordentertainment zu
90% aus chinesischen Filmen und chinesischen Popsternchen. Den Filmen konnte
ich auf Grund eher mittelmäßiger Untertitel wenig abgewinnen und die Songs
waren mir dann doch zu schnulzig. Bei diesem Flug war das Gegenteil der Fall. Lauter
britische Filme im Programm und eine großartige Purcell CD die sofort auf
meinen mentalen Einkaufszettel gesetzt wird.
Nach erfolgreicher Landung, Einreise und Geldumtausch
empfangen mich zwei Doktoranden aus der Polymer Science Abteilung in der ich
mitarbeiten werde. Ich werde zum Campus gefahren und mir wird beim einchecken
in mein komplett überteuertes Wohnheim geholfen. Für den stattlichen Preis von
fast 20 € die Nacht habe ich zwei Betten, einen kleinen Kühlschrank, ein Bad
und ein Fernseher für mich allein und dazu gibt es morgens Frühstück. Wäre
dieses Stipendium nicht, könnte ich mir das beim besten Willen nicht leisten.
Nachdem ich ausgepackt und geduscht habe, holen mich zwei Doktoranden ab und
zeigen mir den Campus, das Labor bzw. das Büro in dem ich arbeiten kann und
helfen mir eine Simkarte für mein Handy zu besorgen.
Und wie es so ist, treffe ich beim Simkartenkauf einen
jungen deutschen Austauschstudenten (natürlich Sinologe). Wir unterhalten uns
ein bisschen während wir warten und ich erkläre ihm wie man den VPN zum laufen
kriegt. Hier jetzt schonmal ein Lobgesang auf VPNs. Mein Handy funktioniert
einwandfrei, weil ich Zugang zu Googleprodukten habe, meine Facebook und Youtubesucht
kann befriedigt werden und dass ich das hier ins Netz schicken kann liegt auch
nur an diesem kleinen unscheinbaren Program.
Mit Simkarte im Gepäck geht es dann etwas essen und zur
Feier, dass ich da bin gibt es Hotpot. Im Prinzip ist das ein Fondue bloß in
sehr scharf. In der Mitte steht eine Schüssel mit kochender Suppe die einen
guten Zentimeter dick mit Chiliöl und Pfefferkörnern bedeckt ist und dann wird
alles rein gekippt was man sich vorstellen kann. Vor allem aber Innereien von
diversen Tieren. Normalerweise bin ich kein Fan von Magen, Darm und Co aber im
Hotpot verfliegt der Eigengeschmack vor Würze und vor allem Schärfe der Brühe
und das Fleisch wird wunderbar zart. Neben Innereien, wurden noch Gurken,
Lotuswurzeln, Tofu, kleine Fleischbällchen, dünne Scheiben Lamm- und
Rundfleisch und Pilze rein gegeben. Gestopft voll und mit einem angenehmen
brennen in Mund, Speiseröhre und Magen, liege ich nun in meinem Bett und freue
mich auf meinen ersten Tag als Praktikant.
Gute Nacht euch allen,
Zeno
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