Montag, 31. August 2015

Tag eins: Hotpot



Die Tage vor meiner Abreise waren etwas chaotisch. Ich hab en doch eher sehr anstrengendes Semester gehabt mit viel Praktikum an der Uni und viel Stress aber nebenbei mein Visum (wie üblich nach etwas Theater mit dem Konsulat) beantragt und bekommen, mich um die Versicherung und Kram gekümmert und ab und zu meinem zuständigem Professor geschrieben. Aber um ganz ehrlich zu sein abgesehen vom Visum hat sich der organisatorische Aufwand stark in Grenzen gehalten. Trotz allem kam ich nicht dazu meine letzten drei Posts über Guangzhou, Yangshou und Hangzhou zu schreiben. Das wird bei Gelegenheit nachgeholt. Heut aber erst mal den Bericht über meinen ersten Tag in Chengdu.

Um sechs Uhr morgens klingelt mein Wecker in Freiburg. Noch im Tiefschlaf packe ich meinen Koffer fertig, mache mir einen Kaffee und packe mein Vesper für die Fahrt ein. Auf der knapp vierstündigen Fahrt nach Frankfurt, schlafe ich meistens und in Frankfurt angekommen wird erstmal das Vesper gefuttert und dann eingecheckt. Ich fliege mit British Airlines, weil die Alternative über Quatar geflogen wäre und statt 550€ knappe 1000€ gekostet hätte. Eine langweilige Stunde später vertreibe ich mir meine Zeit in Heathrow und überlege, ob ich auch wirklich den Adapter eingepackt habe und kontrolliere in einem Anflug von Paranoia kontrolliere ich nochmal, ob ich nicht ausversehen ein 30 Tage Visum und kein 60 Tage Visum bekommen habe. Aber alles ist so wie es sein sollte, nur ich bin etwas übermüdet. Nach einer gefühlten Ewigkeit sitze ich dann in meinem Flieger nach Chengdu und kann mich eigentlich nicht beschweren. Bei meinem letzten Flug nach China bestand das Bordentertainment zu 90% aus chinesischen Filmen und chinesischen Popsternchen. Den Filmen konnte ich auf Grund eher mittelmäßiger Untertitel wenig abgewinnen und die Songs waren mir dann doch zu schnulzig. Bei diesem Flug war das Gegenteil der Fall. Lauter britische Filme im Programm und eine großartige Purcell CD die sofort auf meinen mentalen Einkaufszettel gesetzt wird.

Nach erfolgreicher Landung, Einreise und Geldumtausch empfangen mich zwei Doktoranden aus der Polymer Science Abteilung in der ich mitarbeiten werde. Ich werde zum Campus gefahren und mir wird beim einchecken in mein komplett überteuertes Wohnheim geholfen. Für den stattlichen Preis von fast 20 € die Nacht habe ich zwei Betten, einen kleinen Kühlschrank, ein Bad und ein Fernseher für mich allein und dazu gibt es morgens Frühstück. Wäre dieses Stipendium nicht, könnte ich mir das beim besten Willen nicht leisten. Nachdem ich ausgepackt und geduscht habe, holen mich zwei Doktoranden ab und zeigen mir den Campus, das Labor bzw. das Büro in dem ich arbeiten kann und helfen mir eine Simkarte für mein Handy zu besorgen.

Und wie es so ist, treffe ich beim Simkartenkauf einen jungen deutschen Austauschstudenten (natürlich Sinologe). Wir unterhalten uns ein bisschen während wir warten und ich erkläre ihm wie man den VPN zum laufen kriegt. Hier jetzt schonmal ein Lobgesang auf VPNs. Mein Handy funktioniert einwandfrei, weil ich Zugang zu Googleprodukten habe, meine Facebook und Youtubesucht kann befriedigt werden und dass ich das hier ins Netz schicken kann liegt auch nur an diesem kleinen unscheinbaren Program.

Mit Simkarte im Gepäck geht es dann etwas essen und zur Feier, dass ich da bin gibt es Hotpot. Im Prinzip ist das ein Fondue bloß in sehr scharf. In der Mitte steht eine Schüssel mit kochender Suppe die einen guten Zentimeter dick mit Chiliöl und Pfefferkörnern bedeckt ist und dann wird alles rein gekippt was man sich vorstellen kann. Vor allem aber Innereien von diversen Tieren. Normalerweise bin ich kein Fan von Magen, Darm und Co aber im Hotpot verfliegt der Eigengeschmack vor Würze und vor allem Schärfe der Brühe und das Fleisch wird wunderbar zart. Neben Innereien, wurden noch Gurken, Lotuswurzeln, Tofu, kleine Fleischbällchen, dünne Scheiben Lamm- und Rundfleisch und Pilze rein gegeben. Gestopft voll und mit einem angenehmen brennen in Mund, Speiseröhre und Magen, liege ich nun in meinem Bett und freue mich auf meinen ersten Tag als Praktikant.

Gute Nacht euch allen,

Zeno

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