Es gibt in China neben Hong Kong noch einen Teil des Landes
der sehr stark europäischen Einflüssen unterworfen ist. Macau. Diese kleine
Halbinsel nur eine Stunde mit der Fähre von Hong Kong entfernt wurde den
Portugiesen von den Chinesen geschenkt nachdem sie Piraten vertrieben hatten.
Inzwischen haben die Portugiesen die Insel an China zurückgegeben mit der
Bedingung, dass sie für die nächsten 50 Jahre eine Sonderverwaltungszone
bleibt. Was sie zurück gelassen haben sind Straßennamen und Schilder auf Portugiesisch,
viele portugiesische Gerichte und Gebäude und noch viele mehr Macanesen
(Chinesen mit einem Portugiesischen Elternteil und zwei Pässen). Allgemein ist
Macau sehr europäisch. Es gibt Ecken in denen fühlt man sich wie in Südeuropa
mal von den chinesischen Schildern abgesehen. Was Macau neben seinem westlichen
Touch noch ausmacht sind die Casinos. Es wird von meinem Reisführer als Vegas
des Ostens beschrieben und das kommt auch ganz gut hin. In der Mitte der Insel
steht ein riesiges Gebäude das aussieht wie eine Lotusblüte mit Stiel und
nachts in allen nur erdenklichen Farben leuchtet und blinkt und innendrin sieht
alles so aus wie in einem waschechten Las Vegas Casino (dieselben nervig
klingelnden Automaten, dieselben Teppichböden, dieselben Gestalten die vor dem
Automaten sitzen und eine Münze nach der anderen einwerfen und dieselben leeren
Roulettetische). Es gibt eine Insel direkt vor Macau, Taipa. Und früher gab es
noch eine zweite noch kleinere Insel dahinter die nur aus Fischerdörfern
bestand. Jetzt ist der knapp Kilometer dazwischen auf geschüttet und darauf
stehen zwei Casinos darunter das Venitian, welches das größte der Welt ist.
Mein Host In Macau war Kevin. Kevin ist in Australien
aufgewachsen hat aber eine chinesische Mutter und spricht kantonesisch und
Mandarin. Er arbeitet als Zirkusmanager. Jeder kennt wohl die großen Shows in
Las Vegas, mit den Frauen und Männern die in schwindelerregenden Höhen in
glitzernden und schillernden Kostümen, akrobatische Meisterleistungen
verbringen. Damit diese Menschen nicht in einem kleinen Zeltchen vor 20 Leuten
performen müssen gibt es Firmen die das ganze managen. Sprich sie kriegen die
Anfragen von Casinos und beginnen mit Planung und Vorbereitung. Das klingt
jetzt so normal aber für eine Show in Wohan wurde eine Art Swimmingpool gebaut
der dreimal so groß ist wie die olympischen Becken mit bewegbaren Bühnen, sich
öffnenden Decken und und und. Sprich ein enormer Aufwand sowohl organisatorisch
als auch finanziell. Das heißt alle Beteiligten haben ein großes Interesse
daran, dass die Show ausverkauft ist und auch stattfindet. Nun ersteres war bei
der Show in Wuhan der Fall am zweiten drohte es aber zu scheitern. Es gab
irgendwelche Probleme mit der Technik und die Sicherheit der Artisten konnte
nicht zu 100% gewährleistet werden und weil es sowie so Spannungen zwischen
Management und den Künstlern gab, sind die in den Streik getreten. Deswegen
musste Kevin sehr spontan nach Wuhan und ich hatte nur zwei halbe Tage in
Macau. Sehr schade aber vermutlich das Beste was meinem sowieso sehr
strapazierten Budget passieren konnte. Denn Macau ist nicht billig.
Die Preise für Lebensmittel und für Essen auf der Straße
sind ein bisschen geringer als in Europa aber alles andere ist teuer. Kevin ist
genauso vernarrt in Essen wie ich und hat mir die besten Restaurants in Macau
empfohlen. Die allermeisten waren leider in fünf Sterne Hotels und
dementsprechend himmelweit über dem was ich für einmal Dim Sum ausgeben konnte.
Neben dem Essen ist vor allem das Übernachten in Macau sehr teuer. Nachdem mir
Kevin die Hiobs Botschaft überbracht hat habe ich nach Hostels in Macau
gesucht. Nun die Stadt hat beschlossen, dass sie diese Form von Reisenden nicht
mehr haben will und so den Hostels jeden Stein in den Weg gelegt der nur geht.
Man muss sich mindestens eine Woche im Voraus anmelden mit Passnummer und man
darf nicht mehr als drei Tage übernachten und das bei Preisen die man auch für
ein Hostel in Chicago zahlen wird. Die Hotels (vor allem die mit angegliedertem
Casino) haben solche Probleme natürlich nicht und sind verhältnismäßig billig
(für mich aber immer noch viel zu teuer). Irgendwann ist
mir gekommen, dass wen ich mir als Mittelsatndeuropäer das nicht leisten kann
das für Mittelstandchinesen ja gerade zu unerschwinglich sein muss. Das war
dann der Punkt an dem mir die Leute in Macau mehr aufgefallen sind. Es sind
durch die Bank Chinesen in westlichen Designerklamotten mit fetter Kamera und
noch fetteren Geldbörsen. Sie durchschwärmen die Straßen und überschwämmen die
Geschäfte mit Geld.
Die Chinesen haben eine eigenartige Beziehung zu Geld. Reich
zu sein ist eines der größten Anliegen der meisten Chinesen. In Europa und auch
in den USA war es, zumindest in meinen Bekanntenkreisen, eher üblich nach einem
erfüllten Leben zu suchen. Für die meisten gehörte dazu auch, ein solides
Einkommen um nicht am Existenzminimum leben zu müssen aber es war nicht Ziel
Nummer eins. In China ist das etwas anders. Das Verlangen nach Reichtum, Konsum
und Luxus ist enorm. Glücksbinger die zu Geld verhelfen sollen gibt es an jeder
Straßenecke und wer größere Geldsummen besitzt legt auch viel Wert daran das
auch deutlich zu machen. Meine Vermutung ist, dass das an der langen
Durststrecke des chinesischen Volkes liegt. Das meinte auch meine Host in
Guangzhou. Die Chinesen haben über einen sehr langen Zeitraum unter sehr großen
Entbehrungen leben müssen und jetzt den Zugang zu den Konsumgütern und dem
Luxus zu haben, den wir in Europa schon seit über 50 Jahren genießen ist für
viele Chinesen ein wahrgewordener Traum. Mich hat das muss ich aber sagen doch
eher befremdet. Natürlich kann ich mir schöneres vorstellen als am Hungertuch
zu nagen aber Reichtum hat für mich nichts Erstrebenswertes.
Naja so sind halt dieses Europäer auf
Selbstverwirklichungstrips. Nach dieser kurzen aber intensiven Zeit in Macau
bin ich wieder gen Festland gereist.
Konkreter nach Guangzhou. Wunderbares Kanoton!
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