Sonntag, 30. August 2015

Macau: Über das Leben mit oder ohne Geld



Es gibt in China neben Hong Kong noch einen Teil des Landes der sehr stark europäischen Einflüssen unterworfen ist. Macau. Diese kleine Halbinsel nur eine Stunde mit der Fähre von Hong Kong entfernt wurde den Portugiesen von den Chinesen geschenkt nachdem sie Piraten vertrieben hatten. Inzwischen haben die Portugiesen die Insel an China zurückgegeben mit der Bedingung, dass sie für die nächsten 50 Jahre eine Sonderverwaltungszone bleibt. Was sie zurück gelassen haben sind Straßennamen und Schilder auf Portugiesisch, viele portugiesische Gerichte und Gebäude und noch viele mehr Macanesen (Chinesen mit einem Portugiesischen Elternteil und zwei Pässen). Allgemein ist Macau sehr europäisch. Es gibt Ecken in denen fühlt man sich wie in Südeuropa mal von den chinesischen Schildern abgesehen. Was Macau neben seinem westlichen Touch noch ausmacht sind die Casinos. Es wird von meinem Reisführer als Vegas des Ostens beschrieben und das kommt auch ganz gut hin. In der Mitte der Insel steht ein riesiges Gebäude das aussieht wie eine Lotusblüte mit Stiel und nachts in allen nur erdenklichen Farben leuchtet und blinkt und innendrin sieht alles so aus wie in einem waschechten Las Vegas Casino (dieselben nervig klingelnden Automaten, dieselben Teppichböden, dieselben Gestalten die vor dem Automaten sitzen und eine Münze nach der anderen einwerfen und dieselben leeren Roulettetische). Es gibt eine Insel direkt vor Macau, Taipa. Und früher gab es noch eine zweite noch kleinere Insel dahinter die nur aus Fischerdörfern bestand. Jetzt ist der knapp Kilometer dazwischen auf geschüttet und darauf stehen zwei Casinos darunter das Venitian, welches das größte der Welt ist.

Mein Host In Macau war Kevin. Kevin ist in Australien aufgewachsen hat aber eine chinesische Mutter und spricht kantonesisch und Mandarin. Er arbeitet als Zirkusmanager. Jeder kennt wohl die großen Shows in Las Vegas, mit den Frauen und Männern die in schwindelerregenden Höhen in glitzernden und schillernden Kostümen, akrobatische Meisterleistungen verbringen. Damit diese Menschen nicht in einem kleinen Zeltchen vor 20 Leuten performen müssen gibt es Firmen die das ganze managen. Sprich sie kriegen die Anfragen von Casinos und beginnen mit Planung und Vorbereitung. Das klingt jetzt so normal aber für eine Show in Wohan wurde eine Art Swimmingpool gebaut der dreimal so groß ist wie die olympischen Becken mit bewegbaren Bühnen, sich öffnenden Decken und und und. Sprich ein enormer Aufwand sowohl organisatorisch als auch finanziell. Das heißt alle Beteiligten haben ein großes Interesse daran, dass die Show ausverkauft ist und auch stattfindet. Nun ersteres war bei der Show in Wuhan der Fall am zweiten drohte es aber zu scheitern. Es gab irgendwelche Probleme mit der Technik und die Sicherheit der Artisten konnte nicht zu 100% gewährleistet werden und weil es sowie so Spannungen zwischen Management und den Künstlern gab, sind die in den Streik getreten. Deswegen musste Kevin sehr spontan nach Wuhan und ich hatte nur zwei halbe Tage in Macau. Sehr schade aber vermutlich das Beste was meinem sowieso sehr strapazierten Budget passieren konnte. Denn Macau ist nicht billig.

Die Preise für Lebensmittel und für Essen auf der Straße sind ein bisschen geringer als in Europa aber alles andere ist teuer. Kevin ist genauso vernarrt in Essen wie ich und hat mir die besten Restaurants in Macau empfohlen. Die allermeisten waren leider in fünf Sterne Hotels und dementsprechend himmelweit über dem was ich für einmal Dim Sum ausgeben konnte. Neben dem Essen ist vor allem das Übernachten in Macau sehr teuer. Nachdem mir Kevin die Hiobs Botschaft überbracht hat habe ich nach Hostels in Macau gesucht. Nun die Stadt hat beschlossen, dass sie diese Form von Reisenden nicht mehr haben will und so den Hostels jeden Stein in den Weg gelegt der nur geht. Man muss sich mindestens eine Woche im Voraus anmelden mit Passnummer und man darf nicht mehr als drei Tage übernachten und das bei Preisen die man auch für ein Hostel in Chicago zahlen wird. Die Hotels (vor allem die mit angegliedertem Casino) haben solche Probleme natürlich nicht und sind verhältnismäßig billig (für mich aber immer noch viel zu teuer). Irgendwann ist mir gekommen, dass wen ich mir als Mittelsatndeuropäer das nicht leisten kann das für Mittelstandchinesen ja gerade zu unerschwinglich sein muss. Das war dann der Punkt an dem mir die Leute in Macau mehr aufgefallen sind. Es sind durch die Bank Chinesen in westlichen Designerklamotten mit fetter Kamera und noch fetteren Geldbörsen. Sie durchschwärmen die Straßen und überschwämmen die Geschäfte mit Geld.

Die Chinesen haben eine eigenartige Beziehung zu Geld. Reich zu sein ist eines der größten Anliegen der meisten Chinesen. In Europa und auch in den USA war es, zumindest in meinen Bekanntenkreisen, eher üblich nach einem erfüllten Leben zu suchen. Für die meisten gehörte dazu auch, ein solides Einkommen um nicht am Existenzminimum leben zu müssen aber es war nicht Ziel Nummer eins. In China ist das etwas anders. Das Verlangen nach Reichtum, Konsum und Luxus ist enorm. Glücksbinger die zu Geld verhelfen sollen gibt es an jeder Straßenecke und wer größere Geldsummen besitzt legt auch viel Wert daran das auch deutlich zu machen. Meine Vermutung ist, dass das an der langen Durststrecke des chinesischen Volkes liegt. Das meinte auch meine Host in Guangzhou. Die Chinesen haben über einen sehr langen Zeitraum unter sehr großen Entbehrungen leben müssen und jetzt den Zugang zu den Konsumgütern und dem Luxus zu haben, den wir in Europa schon seit über 50 Jahren genießen ist für viele Chinesen ein wahrgewordener Traum. Mich hat das muss ich aber sagen doch eher befremdet. Natürlich kann ich mir schöneres vorstellen als am Hungertuch zu nagen aber Reichtum hat für mich nichts Erstrebenswertes.

Naja so sind halt dieses Europäer auf Selbstverwirklichungstrips. Nach dieser kurzen aber intensiven Zeit in Macau bin ich wieder gen Festland  gereist. Konkreter nach Guangzhou. Wunderbares Kanoton!

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